Manuela Kocher Hirt · SP
Der Regierungsrat argumentiert jetzt, dass weiterführende Forschung nur auf nationaler Ebene Sinn mache. Grundsätzlich kann ich diesem Argument durchaus auch etwas abgewinnen. Natürlich wäre ein schweizweit koordiniertes Vorgehen sinnvoll, natürlich braucht es eine nationale Strategie und eine gemeinsame Datengrundlage. Aber genau hier liegt das Problem. Wir wissen seit Jahren, dass die Spermienqualität abnimmt. Seit Jahren weisen Forschende auf die offenen Fragen hin, und seit Jahren wird auch auf weiteren Forschungsbedarf hingewiesen, und trotzdem passiert zu wenig. Wenn wir heute einfach sagen, der Bund solle sich irgendwann darum kümmern, dann verschieben wir einfach das Problem erneut.
Die Betroffenen haben aber nichts davon, wenn wir weitere Jahre auf die nationalen Prozesse warten. Gerade weil der Kanton Bern besonders betroffen ist, haben wir eine Verantwortung, für unsere Bevölkerung aktiv zu werden. Wir verfügen bereits über wertvolle Strukturen und Fachkompetenz. Der Regierungsrat selbst verweist auf die kantonale One-Health-Plattform, auf der die verschiedenen Fachstellen zusammenarbeiten und auf der bestehende Grundlagen zusammentragen werden, auch im Zusammenhang mit der Rekrutierung.
Es geht also nicht darum, bei null anzufangen, und die Motion verlangt auch keinen Alleingang von der bernischen Kantonsregierung. Im Gegenteil, wir fordern ausdrücklich die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen, eine Koordination mit nationalen Stellen. Sie schaffen genau die Grundlage, um später eine schweizweite Lösung aufzubauen. Wir haben die Möglichkeit, ein klares Signal zu senden. Nehmen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst, und berücksichtigen wir auch die wissenschaftlichen Hinweise. Es ist wichtig, dass wir nicht einfach abwarten, sondern dass wir jetzt handeln, und diese Motion wäre ein erster Schritt dazu. Denn die Betroffenheit bei den Personen ist hoch, und wir haben im Kanton Bern auch einen Geburtenrückgang. Wir schrumpfen als Kanton Bern, und ich denke, hier wäre ein wesentlicher Hebel, mit dem wir uns profilieren könnten.