Samira Liana Martini · SP
Und jetzt, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, sind wir am Ball. Mit dem Stopp der Ausbauprojekte entfällt nicht einfach das Problem. Der Ausweichverkehr durch die Quartiere, der Lärm, die Unsicherheiten für Kinder, Velofahrende und Fussgängerinnen und Fussgänger bleiben. Deshalb unterstützt die SP-JUSO-Fraktion diese Motion mit Überzeugung. Die Motion ist sachlich, sie ist konstruktiv, und sie nimmt den Regierungsrat in die Pflicht, dort zu handeln, wo das Handeln möglich und nötig ist.
Das Verkehrsmanagement Bern-Nord hat Potenzial gezeigt, aber auch klare Schwächen. Wenn die Menschen entlang der Bernstrasse in Zollikofen immer noch täglich durch Kolonnen und stehenden Verkehr belastet sind, dann reicht das einfach nicht. Wir erwarten, dass die moderne digitale Steuerung nicht nur den Verkehr verflüssigt, sondern Wohnquartiere nachhaltig entlastet. Dazu gehört eine klare Ausrichtung dieser Systeme auf die Bedürfnisse der Menschen und nicht auf die Bedürfnisse der Autos.
Mit dem Velo oder E-Bike können viele Menschen die täglichen Pendeldistanzen bewältigen, sofern es sichere, direkte und attraktive Veloverbindungen gibt. Und genau dort hapert es eben sehr oft. Viele Velo-Bahn-Projekte stecken seit Jahren in der Planung fest. Diese Motion fordert: Jetzt ist der Moment zum Beschleunigen und nicht zum Bremsen. Wir brauchen diese Infrastruktur für das Klima, für die Gesundheit und für die Verkehrssicherheit. Auch im ländlichen Raum muss die Mobilität möglich sein, auch ohne Auto. Dazu braucht es einen besseren ÖV-Anschluss, Sharing-Angebote und On-Demand-Systeme wie bspw. EBuxi in Herzogenbuchsee.
Die Digitalisierung bietet hier eine Chance, aber sie muss wirklich auch konkret genutzt werden. Natürlich müssen auch weiterhin Strassen unterhalten werden, insbesondere für unsere Schreinerinnen, Elektroinstallateure und weitere Berufsgruppen. Lange Wege durch Stau oder schlechte Strassen drücken aufs Portemonnaie. Das ist uns bewusst. Auch deshalb muss sich der Regierungsrat gegenüber dem ASTRA und dem Bundesrat dafür einsetzen, dass bestehende Kapazitäten effizienter genutzt werden – durch tiefere Tempolimiten, durch Verkehrsverlagerungen, durch bessere Fahrzeugauslastungen. Auch hier gilt: Innovation statt Beton.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die SP-JUSO-Fraktion und auch ich persönlich als Autofahrerin unterstützen diese Motion auch allenfalls als Postulat, weil sie Verantwortung übernimmt – nach einem Volksentscheid, aber auch für die Zukunft. Wir wollen keinen Stillstand nach diesem Ausbaustopp, sondern Fortschritt für lebenswerte Dörfer, für sichere Quartiere, für eine klimaverträgliche Mobilität. Jetzt ist der Moment, neue Wege zu gehen, und diese Motion ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Merci.