Bettina Jans-Troxler · Evangelische Volkspartei
Bettina Jans-Troxler (EVP) für die Fraktion: Die GLP-EVP-Fraktion bejaht grundsätzlich den Kredit für die Finta-Notschlafstelle und die zusätzliche allgemeine Notschlafstelle. Es ist beunruhigend, dass immer mehr Menschen auf solche Angebote angewiesen sind. Dass Plätze manchmal von Menschen belegt werden, für die andere Angebote vorgesehen sind, wird Corina Liebi beim nächsten Traktandum ausführlich ansprechen.
Wir sollten einerseits dafür sorgen, dass die Angebote denen zugutekommen, für die sie gedacht sind, andererseits als Gesellschaft aber auch gut im Auge behalten, dass wir nicht nur Symptombehandlung betreiben, sondern auch den Wurzeln nachgehen, weshalb immer mehr Menschen durch die Maschen fallen.
Dass es nun neben zusätzlichen allgemeinen Notschlafplätzen dieses spezifische Angebot für Frauen und Menschen, die zu den Finta zählen, nötig ist, ist für alle, die einmal das Passantenheim oder den Sleeper besucht haben, wohl nicht erklärungsbedürftig. Falls ihr noch nie reingeschaut habt, seid ihr von den Betreibern herzlich eingeladen, mal einen Besuch zu machen. Man könnte sich fragen, wo jetzt diese bedürftigen Finta plötzlich herkommen. Es ist aber eine Tatsache, dass diese Menschen oft erst sichtbar werden, wenn es ein entsprechendes Angebot gibt. Und Anfeindungen gegen Frauen und gerade auch queere Personen sind in den bestehenden Angeboten häufig. An einer der letzten Stadtratssitzungen bei der Begegnung mit der Stiftung Heilsarmee hatte ich die Gelegenheit, mit der Leiterin der neuen Finta-Notschlafstelle zu sprechen. Noch eine Zwischenbemerkung: David, ich habe mich gefragt, warum du nicht dort warst und die Menschen direkt gefragt hast bezüglich deiner Zweifel. Ich habe mit ihr eben über diese Notschlafstelle gesprochen. Das Haus sei seit Ende Juni praktisch konstant komplett belegt. Das sind zum Beispiel Frauen, die aus ungesunden Beziehungen ausbrechen und deshalb plötzlich ohne Wohnung dastehen, oder Frauen, die wegen psychischen Erkrankungen oder begleitenden Haustieren im Frauenhaus keine Aufnahme finden. Ich habe die Leiterin und den Verantwortlichen der Wohnangebote auch gefragt, ob denn diese Einzelzimmer im schönen Altbau, die in den Zeitungen bei der Eröffnung abgebildet wurden, nicht etwas zu luxuriös seien für eine Notschlafstelle. Das hat damals diesen Eindruck gemacht. Sie meinten, ein minimales Mass an Privatsphäre würde sicher dabei helfen, Schritte in ein geordnetes Leben machen zu können. Zum Vergleich: Das Passantenheim ist tagsüber geschlossen und übernachtet wird in Viererzimmern. Zudem wurde deutlich, dass das Haus hinter dem Kursaal in schlechtem baulichem Zustand und jetzt in der kalten Jahreszeit zum Beispiel schlecht heizbar ist und deshalb wohl nicht annähernd so komfortabel, wie es auf dem Bild den Eindruck machte.
Die zusätzliche allgemeine Notschlafstelle wurde in den letzten Jahren jeweils im Winter im Tiefenau mit sehr viel persönlichem Einsatz von Pinto eingerichtet. Pinto-Leiter Silvio Flückiger hat uns mal erzählt, wie er mit seinem Team in ihrer Freizeit Occasionsmobiliar gesammelt hat. Nun soll dieses Angebot dauerhaft entstehen. Vielleicht wurde unterdessen auch eine passende Liegenschaft gefunden. Darüber kann uns Ursina Anderegg vielleicht noch updaten. Wir sind enorm dankbar, dass hier der Kanton nicht wie in anderen Bereichen zaudert, sondern ohne Fragen alle Angebote im Bereich der Obdachlosenhilfe über den Lastenausgleich finanziert.
Und vielen Dank auch der Heilsarmee, die diese Notschlafstelle vorfinanziert hat, damit sie bereits eröffnen konnte und wir nun bereits erste Erfahrungswerte haben. Es gab übrigens keine anderen Organisationen, die sich als Partner gemeldet haben. Das wäre durchaus möglich gewesen.