Sicherstellung einer fachlich fundierten Schadenbeurteilung bei Wildtierschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Weideland
(2025.GRPARL.322)- DiscursEdith Siegenthaler(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatPräsidentin. Sie haben die Motion als Postulat angenommen.
- DiscursEdith Siegenthaler(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatPräsidentin. Dann stimmen wir jetzt über ein Postulat ab: Wer die Motion als Postulat annimmt, stimmt Ja, wer dies ablehnt, stimmt Nein.
- DiscursBeat Bösiger(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatBeat Bösiger, Niederbipp (SVP), Motionär. Besten Dank für die Diskussion. Man hat es gesehen: Für eine Motion reichen wohl die Stimmen nicht ganz, aber wir wollen das Thema nicht fallenlassen. Der Regierungsrat hat Ausführungen gemacht. Gerade auch von den Kosten her sind wir überzeugt, dass es den Kanton eigentlich nicht mehr kostet als jetzt. Die Wildhut würde massiv entlastet, aber wir sind bereit, zusammen mit dem Regierungsrat die Sache noch einmal anzuschauen, und deshalb wandeln wir in ein Postulat.
- DiscursEdith Siegenthaler(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatPräsidentin. Dann kommen wir zur Abstimmung über die ... Entschuldigung, der Motionär willnoch einmal das Wort: Grossrat Beat Bösiger.
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- DiscursDiscursGrosser RatChristoph Ammann, WEU-Direktor. Besten Dank. Es wurden verschiedentlich die Kosten angesprochen. Ich gebe Ihnen gerne einen Einblick, wie die Finanzierung im Moment zusammengestellt ist.
Der Kanton hat im Sinne einer Spezialfinanzierung einen Wildschadenfonds, der durch das Jagdinspektorat verwaltet wird. Der Fonds wird hauptsächlich durch den jährlich Zuschlag von 150 Franken zum Jagdpatent gespiesen. Das ist die eine Einnahmequelle. Aus diesem Wildschadenfonds werden Schäden von jagdbaren Tieren beglichen. Dann gibt es für die bundesrechtlich geschützten Arten – für den Wolf, Luchs, Bär, Adler, Biber, Fischotter, Goldschakal – die Aufgabe für den Kanton zusammen mit dem Bund. Der Bund bezahlt beispielsweise 80 Prozent der Schadenssummen, wenn es um den Wolf, Luchs, Bär oder Goldschakal geht oder 50 Prozent bei Adlern, Bibern, Fischottern. Das ist die Situation im Moment.
Aber es geht hier weniger um die Zahlen und Kosten von Schäden, sondern darum, wie diese Aufgabe möglichst effizient wahrgenommen wird. Sie rennen bei mir, aber auch bei der Gesamtregierung, eigentlich offene Türen ein. Es wurde bereits in der Debatte darauf hingewiesen, dass ich im Zusammenhang mit der Belastungssituation des Jagdinspektorats schon vor einem Jahr den Auftrag erteilt habe, mir Effizienzmassnahmen vorzulegen. Eine davon war, dass man die Begutachtung nicht mehr durch die Wildhut machen will.
Man muss vielleicht nicht den Gynäkologen – oder was wurde vorher gesagt? (Heiterkeit / Hilarité) –, Internisten zitieren, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein Dr. Fischer, der sich heute im Rahmen seiner Tätigkeit für die Hagelversicherung schon ins Spiel gebracht hat, eine solche Aufgabe wahrnimmt. Wir hatten bereits Kontakte mit der Hagelversicherung. Wir sehen dort Effizienz-, Synergiegewinnmöglichkeiten, aber man muss mit solchen Organisationen dann auch noch zu einer vertraglichen Vereinbarung kommen.
Das ist der Grund, weshalb die Regierung das Postulat, die breitere Prüfung, verlangt, damit man schauen kann, ob die Hagelversicherung, zu welchem Tarif, mit welchen Konditionen hilft. Ist das die beste Lösung? Gibt es andere? Gibt es Kombinationsmöglichkeiten, verwaltungsintern mit externer Unterstützung? Kann man allenfalls – wie das Versicherungen, Privatversicherungen schon längstens tun – künstliche Intelligenz einsetzen oder die Digitalisierung insgesamt noch besser zur Geltung bringen? Das sind alles Fragen, die auf dem Tisch liegen.
Aber noch einmal: Die Offenheit ist da. Der Auftrag ist erteilt. Die Hagelversicherung war intern bei mir in der Direktion bereits in Diskussion. Daher: Sehr gern ein Postulat. Aber lassen Sie uns Zeit und Raum, damit man im Rahmen einer Prüfung dann wirklich die bestmögliche Lösung findet.
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- DiscursJann Fritz Bangerter(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatJann Fritz Bangerter, Bern (SVP), Einzelsprecher. Ich will es kurz machen. Wenn Sie Hüftprobleme haben, dann wollen Sie von einem Arzt angeschaut werden und nicht von einem Biologen. Es sind beides top-ausgebildete Leute, beide haben ihre Kompetenzen und es geht nicht darum, zu sagen, der eine ist besser als der andere. Aber wenn Sie ein Hüftproblem haben, möchten Sie von einem Arzt behandelt werden. Ich habe geschlossen. Merci.
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- DiscursBruno Martin(Eidgenössisch-Demokratische Union)Grosser RatBruno Martin, Gerolfingen-Täuffelen (EDU), Einzelsprecher. Ich komme nicht nach vorne, weil mich jemand irgendwie angesprochen hat. Es ist mir ein Bedürfnis, ein bisschen eine Hommage an die Produzenten zu machen, die betroffen sind. Ich habe die Zahlen vorher – 800 Franken plus noch 2000 Franken, die nie zur Sprache kommen – von einem Schaden nicht einfach nur so daher geredet. Die Schäden werden höher.
Politisch vertrete ich ja das Seeland. Wir haben Anstrengungen für eine Schadenserhebung gemacht, haben Formulare gedruckt und verteilt. Es ist kein Kaffeesatzlesen, aber ich kann Ihnen noch nicht genau sagen, weshalb fast nichts zurückkommt. Aber die Schäden, die entstehen, sind enorm und das wird auch die Produkte teurer machen. Es hilft eigentlich niemandem in diesem Saal – nicht den Konsumentinnen, den Produzenten, dem Gewerbe, vor allem nicht dem Kanton Bern, nicht nur dem Seeland nicht. Was auf uns zukommen wird, sind Riesenschäden.
Ich sage Ihnen ein kleines Beispiel: Wenn man bereit ist, für eine Biber-Familie, die es lustig fand, in einem alten Pumpwerk ein Nest zu bauen, und die SBB deshalb eine Baustelle mit fast drei Monaten Verzögerung hat und für x 100’000 Franken einen Biberbau machen muss ... – Jetzt wird noch gepostet – ich glaube, gestern – wie das wunderbare Tierchen sind, und wie sie es schön haben und so. Wir haben am Bielerseeufer eine solche Biberdichte – die Schäden laufen ins Unermessliche. Im Moment tragen das vor allem noch vielfach die Produzenten. Aber es wird auf uns zukommen, und diese Probleme müssen wir hier in diesem Saal dann auch gemeinsam lösen, nach den Wahlen. Danke fürs Zuhören.
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- DiscursRuedi Fischer(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatRuedi Fischer, Bätterkinden (SVP), Einzelsprecher. Ich komme nach vorne, und zwar weil ich ein bisschen eine Lanze brechen möchte für die Hagelexperten. Ich bin nämlich einer von ihnen. Ich darf seit Kurzem für den Schweizer Hagel solche Schäden schätzen, zusammen mit Brügger Bernhard, der auch bei Schweizer Hagel angestellt ist. Sehr verehrte Anwesende, ich sage Ihnen gleich ein Beispiel, bei dem ich sogar behaupte, dass es für den Kanton günstiger kommen könnte. Zudem möchte ich auch unterstreichen, dass die Schweizer Hagel eine neutrale Stelle ist. Wir haben regelmässig strenge Ausbildungen. Wir werden kontrolliert.
Das Beispiel, das ich Ihnen sage, ist folgendes: Ich war letztes Jahr – allerdings nicht im Kanton Bern, sondern im Kanton Baselland – einen Schaden abschätzen. Es ging um Mais. Es war ein Sturmschaden. Es waren rund zwei Hektaren betroffen – Mais, der von einem Sturm hinuntergedrückt wurde. In dieser Parzelle war aber auch ein Wildschaden, also von Wildschweinen. Paradoxerweise ist die Schweizer Hagel, also ich, vorbeigegangen – das macht man übrigens immer zu zweit – und wir haben den Schaden geschätzt. Ein paar Tage später ist noch der Wildhüter gegangen und hat den Wildsauschaden geschätzt.
Anhand dieses Beispiels möchte ich Ihnen zeigen, dass man das durchaus effizienter machen kann. Wie gesagt, dass die Kosten steigen werden, habe ich überhaupt keine Angst.
Und noch einmal: Man macht das sehr ... Man wird auch kontrolliert. Man hat genaue Ansätze, wie man vorgehen muss. Es wird ausgezählt, Es wird ausgemessen, es ist also nicht einfach irgendwie zu Gunsten von irgendjemandem.
Ich bitte Sie ganz fest, dieser Motion zuzustimmen. Alles andere wäre schade. Merci.
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- DiscursTom Gerber(Evangelische Volkspartei)Grosser RatTom Gerber, Reconvilier (PEV), porte-parole de groupe. Comme le relèvent à juste titre les motionnaires, l’estimation de ces dégâts n’est pas évidente et requiert des connaissances agricoles qui font défaut aux gardes-faune, même si ces derniers font preuve de bonne volonté. D’autre part, le garde-faune, lors de ses estimations, ne peut pas enlever ses autres chapeaux, surtout celui d’être à quelque part un peu le défenseur, le protecteur de cette faune sauvage. Ainsi, il donne l’impression d’être dans une situation de conflit d’intérêts. Ces situations sont clairement dommageables à la perception des agents cantonaux.
Le groupe évangélique soutiendra la motion à sa majorité, le postulat serait soutenu à l’unanimité. Il faudra peut-être tout de même – et surtout au regard des ressources qui ont déjà été évoquées par certains de mes prédécesseurs – se poser la question si l’on ne devrait pas davantage réguler certaines espèces si on ne veut pas que les coûts débordent. Je vous remercie de votre attention.
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- DiscursChristoph Grupp(Die Grünen)Grosser RatChristoph Grupp, Biel/Bienne (GRÜNE), Fraktionssprecher. Ich glaube, dass die Schäden entstehen und dass dies Leid verursachen kann und vor allem auch wirtschaftliche Folgen hat, ist unbestritten. Ich möchte darauf eingehen, worauf insbesondere Vorredner und Vorrednerinnen von mir schon eingegangen sind.
Ich beginne bei Finanzen 1. Auf die Finanzen 1 hat Romeo Arnold schon hingewiesen, dass möglicherweise die Beiträge, die möglicherweise aus dem Fond entnommen werden müssten, um die Schäden zu bezahlen, steigen könnten. Es liegt eigentlich auf der Hand: Wenn die jetzigen Beiträge genügend wären, dann müsste man wahrscheinlich auch das System nicht ändern. Es war nicht von Verzögerungen oder irgendetwas die Rede, dass es zu wenig Ressourcen hätte, sondern explizit, dass offenbar die Einschätzungen nicht korrekt sind, sprich zu wenig Korrektur- oder Schadenszahlungen erfolgen. Also ist das wahrscheinlich schon eine stichhaltige Argumentation.
Das hat Bruno Martin eigentlich bestätigt. Er hat nämlich von einem bis jetzt vielleicht eingeschätzten Schaden von 800 Franken gesprochen, der dann neu vielleicht eher bei 2000 Franken liegt. Das ist dann mehr als eine Verdoppelung dieser Schadensgutsprachen, die allenfalls entstehen würden. Ich weiss es nicht, aber ich habe diese beiden Voten gehört.
Ich habe noch ein drittes Votum gehört, dass wir den Beizug von externen Expertisen in der Budgetdebatte abgelehnt haben, diese eingeschränkt haben, die so nicht möglich sind. Das alles lässt für mich eindeutig den Schluss zu: Im besten Fall ein Postulat. Dann kann man das noch einmal überprüfen: Gibt es denn nachher Kostensteigerungen? Wer übernimmt diese? Wie verhält sich dies mit der abgelehnten Botschaft aus dem Budget, als man gesagt hat, dass man keine weiteren Externen bezahlen will?
Wenn man das alles unter eine Decke stellt, sage ich: Höchstens ein Postulat. Wir würde von den Grünen her allenfalls die Regierung unterstützen, aber sicher nicht die Motion.
- Discurs
- DiscursAndrea Rüfenacht(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatAndrea Rüfenacht, Burgdorf (SP), Fraktionssprecherin. Die SP-Fraktion sieht grundsätzlich das Bedürfnis nach einer sachgerechten und fachlich fundierten Schadensabschätzung. Es wurde mehrfach genannt, und auch die Regierung macht den Vorschlag, dass externe Experten eingestellt werden sollen, die diese Arbeiten übernehmen, weil die entsprechenden Fachkenntnisse im Kanton nicht vorhanden sind.
Ich schaue zurück auf die letzte Budgetdebatte, als wir ja immerhin das Budget für genau dieses Jahr verhandelt haben. Damals gab es einen Antrag, der die Regierung insgesamt dazu aufgefordert hat, externe Expertisen zu reduzieren. Wenn Sie ganz an den Schluss der Antwort der Regierung gehen, steht explizit ein leichter Vorbehalt zur Umsetzung, selbst für ein Postulat. Es wurde davon ausgegangen, dass entweder die Mittel eingestellt werden können, um die externen Experten zu zahlen oder sie können nicht eingestellt werden. Mit dem von diesem Grossen Rat überwiesenen Antrag, dass eigentlich die externen Expertisen reduziert werden sollen, sehen wir auch keinen Bedarf eines Prüfauftrags. Der Grosse Rat hat einen Auftrag gegeben. Er hat gesagt: «Nicht noch mehr externe Expertise, sondern deutlich weniger.»
Ich habe von einem Vorredner das Argument gehört, dass es nichts kostet. Aber das stimmt doch einfach nicht. Nur weil das Geld irgendwo in einem Fonds eingestellt wird, heisst es ja noch lange nicht, dass es nichts kostet. Dieser Grosse Rat hat den Auftrag gestellt, externe Expertisen zu reduzieren. Wir haben Sie damals schon darauf hingewiesen, dass das im einen oder anderen Fall auch unerwünschte Auswirkungen haben könnte. Wer aber A sagt, muss halt auch B sagen.
Ich denke, das Geld ist hier nicht vorhanden. Der Auftrag zum Reduzieren dieser externen Expertisen kann sonst nicht erfüllt werden und darin sehe ich sogar gewisse Problematiken, wenn es eben darum ginge, dies via Postulat überhaupt zu prüfen. Deshalb sind wir von der SP-Fraktion eigentlich auch nicht einmal für ein Postulat zu haben und werden das ablehnen. Herzlichen Dank.
- Discurs
- DiscursBruno Martin(Eidgenössisch-Demokratische Union)Grosser RatBruno Martin, Gerolfingen-Täuffelen (EDU), Fraktionssprecher. Wir von der EDU sehen für das Jagdinspektorat eigentlich auch eine grosse Chance in dieser Motion. Wir wissen, dass sie Stellen brauchen oder Stellen neu besetzen wollen, weil die zusätzlichen Belastungen nicht nur wegen Wildschäden ansteigen. Die Schäden, das ist so, werden zunehmen und die nicht nur z. B. wegen des Bibers. Es ist auch so, dass im Moment nicht alle Schäden gemeldet werden – dies aus x-welchen Gründen. Aber wie gesagt, wir sehen in dieser Motion auch eine Chance, um auch die Wildhut zu entlasten.
Weshalb gerade die Hagelversicherung? Die Hagelversicherung hat sehr viel professionelle Fachleute, die zwei bis drei Ausbildungen gemacht haben, sich immer weiterbilden. Genau gleich wie bei einem Hagelschlag, je nach Kultur – und es gibt nicht nur eine oder zwei Kulturen, es gibt x Kulturen ...
Ich sage es Ihnen an einem kleinen Beispiel: Der Biber kann ganz gut in zwei Nächten 50 bis 60 Rebstöcke einfach aus den Drähten herausziehen, an den See hinunterbringen, auch wenn man Elektrozäune gespannt hat. Er geht über drei andere Grundstücke, geht dem Bahndamm entlang. Je mehr Biber es sind und je mehr Hunger sie haben, umso aggressiver werden sie. Sie gehen sogar innerhalb einer Nacht durch eine Schalungstafel mit 200 125er-Holzschrauben einfach durch. Sie fressen ab, nehmen eine Verletzung in Kauf und machen Schäden.
Um dies schnell zu erklären: Wenn ein Rebstock ausgerissen wird, kommt ein Laienschätzer, und der sagt: «50 Rebstöcke à 16 Franken, das ergibt 800 Franken.» Aber neue Rebstöcke pflanzen, vier Jahre Ertragsausfall, die Arbeit, bis die Rebstöcke wieder so alt sind, damit sie Ertrag bringen – da kommen noch 2000 Franken dazu.
Wir unterstützen deshalb die Motion, damit man die Wildhut entlasten kann, damit es Fachleute gibt, die wirklich ausgebildet sind, und nicht noch Kosten generiert, um die Wildhut zusätzlich auszubilden. Wir nehmen diese Motion einstimmig an. Danke fürs Zuhören.
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