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Barbara Stucki · GLP

de
Grosser Rat (BE)12/03/2024
Barbara Stucki, Stettlen (GLP), Motionärin, Fraktionssprecherin. Jawohl, ich rede als Motionärin und auch gleich als Fraktionssprecherin, denn ich glaube, ich will ein bisschen mehr sagen, als in zwei Minuten Platz hat.

Wir haben in dieser Session schon ausführlich über Missbrauchsfälle debattiert, und ich habe Ihnen dabei sehr gut zugehört. Die EDU-Fraktion hat z. B. gesagt, dass jeder Missbrauchsfall einer zu viel ist. Die Mitte hat gesagt, dass es viel zu viele Missbrauchsfälle gibt. Die FDP hat von Nulltoleranz gesprochen, und die SVP hat bestätigt, dass sie froh ist, wenn Konzepte zum Schutz vor Missbrauch erarbeitet werden. Voilà, hier können Sie zu drei Punkten Ja stimmen und zu einer Verbesserung beitragen.

Geschätzte Fraktionen, insbesondere zu meiner Linken und in der Saalmitte: Aufklärung schützt vor Missbrauch. Aufklärung bedeutet, dass Menschen, und im Fall dieser Motion unsere Kinder, lernen, was in unserer Gesellschaft Recht und Unrecht ist in Bezug auf ihren Körper. Gerade in den letzten Wochen sind verschiedene Zeitungsartikel erschienen, die steigenden Missbrauch an Kindern thematisieren, vor allem im Internet. Aufklärung heisst, dass unsere Kinder lernen, dass es okay ist oder sogar wichtig ist, Nein zu sagen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt. Und sie lernen, dass sie sich jemandem anvertrauen sollen, wenn etwas passiert ist, und dies nicht erst nach 30 Jahren. Gleichzeitig lernen die Kinder auch, dass jeder Körper verschieden ist und man Sorge dazu haben soll, dass bei uns niemand über den Körper des anderen einfach verfügen darf.

Ja, es wäre wünschenswert, dass die Eltern diese Themen mit ihren Kindern besprechen, aber es passiert längst nicht in jeder Familie, und die Schule hat definitiv auch einen Auftrag dazu, unsere Kinder in diesem Bereich zu bilden. Ich bin immer wieder mit jungen Menschen im Kontakt, die sich im Zusammenhang mit ihrer Pubertät oder dem Erwachsenwerden mit den Themen Liebe, Beziehung und Sexualität auseinandersetzen, und ich stelle immer wieder fest, dass sie sich wünschen würden, dass diese Thematik auch in der Schule behandelt werden würde, und eben nicht nur im Fach Biologie.

Im Gespräch mit verschiedenen Lehrpersonen wurde mir bestätigt, dass Aufklärung teilweise eben ein heikles Thema ist – Stichworte Nähe und Distanz –, insbesondere noch, wenn dieser Unterrichtsteil auf die Klassenlehrperson fällt, aber auch wegen der Vielfalt der Themen, die in diesen Bereich gehören. Die Klassen sind oft sehr heterogen und die Eltern auch nicht nur happy mit all diesen Sachen, die die Lehrperson vermitteln sollte.

Es liegt nicht daran, dass die Lehrpersonen diese Themen des sexualkundlichen Unterrichts nicht behandeln wollen, aber das Wie ist eben manchmal teilweise gar nicht so einfach. Deshalb wollen wir mit diesem Vorstoss den Schulen und Lehrkräften Unterstützung bieten. Das Rahmenkonzept von Punkt 2 soll ... (Der Präsident bittet um Ruhe im Saal. / Le président réclame le silence dans l’assemblée.) Das Rahmenkonzept von Punkt 2 soll Orientierung geben, welche Themen aus Sicht der BKD zur Aufklärung gehören, und es soll den Schulen zur Verfügung gestellt werden – nicht aufgezwungen, sondern zur Verfügung gestellt werden. Es ist mir wichtig, dies klarzustellen.

Es geht um ein Instrument, das Schulen nutzen können, und soviel ich gehört habe, wären sie teilweise wirklich froh darum. Aktuell müssen sie nämlich diese Konzepte selbst erarbeiten, und seien wir ehrlich: Genau solche Sachen sind eine zusätzliche Belastung, die eigentlich nicht jede Schule im Kanton Bern selbst machen müsste. Aus Sicht der Lehrer, und das unterstreicht auch Bildung Bern, macht es Sinn, für gewisse Bereiche externe Fachpersonen in den Unterricht zu holen – Fachpersonen, die so pädagogisch-fachlich ausgebildet sind und mit den Schülerinnen und Schülern spezifische Themen besprechen, insbesondere auch das Thema rund um sexuelle Integrität, also z. B.: Mein Körper gehört mir, alles, um Grenzen zu setzen, und so eben auch alle die Themen, die hoffentlich verhindern, dass Übergriffe stattfinden.

Die Stiftung Berner Gesundheit (BEGES) bietet aktuell ein solches Angebot an. Sie haben alle einen Onepager bekommen, auf dem sie zeigen, wie schnell diese Sachen immer ausgebucht sind. Es wäre ein viel höherer Bedarf gegeben, als man überhaupt anbieten kann. Und wenn es uns wirklich ernst damit ist, die Lehrpersonen und die Schulen zu entlasten, dann müsste man ... (Der Präsident bittet die Rednerin, zum Schluss zu kommen. / Le président demande à l’oratrice de conclure.) Hu! (Heiterkeit / Hilarité) ... dann müsste man das Angebot erweitern können. Und die Finanzierung ist auch Aufgabe des Kantons.

Jetzt kürze ich ganz fest ab. Wenn der Kanton mitfinanziert, kann er auch Qualitätsstandards setzen. Er macht nämlich Leistungsvereinbarungen, und Ihre Sorge ist oft, dass irgendjemand in die Schulen geht. Wenn der Kanton mitfinanziert, geht eben nicht irgendjemand in die Schulen, denn es gehen dann diejenigen in die Schulen, mit denen der Kanton auch Vereinbarungen hat, die diese Standards erfüllen. Ich bitte Sie als Motionärin und im Namen der GLP, diesem Vorstoss als Motion zuzustimmen. Die Abschreibung von Punkt 1 bestreite ich nicht. Merci.

Transcrição
tagblatt.gr.be.ch
Instituição
Grosser Rat

Dados: OpenParlData · CC BY 4.0