Melanie Beutler-Hohenberger · EVP
Für die EVP ist klar: Gesundheitspolitik als solche darf nicht nur reagieren, sondern sie muss auch präventiv agieren. Vorsorge bedeutet in diesem Zusammenhang, solche Entwicklungen ernst zu nehmen, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzutragen, sorgfältig zu prüfen und dann dort zu handeln, wo Risiken für Mensch und Umwelt bestehen. Die Motion stellt deshalb berechtigte Fragen und Forderungen. Wenn Umweltfaktoren, Schadstoffe oder bestimmte Lebensbedingungen die reproduktive Gesundheit beeinträchtigen können, dann besteht eben ein öffentliches Interesse daran, diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
Das betrifft nicht nur die Familienplanung einzelner Menschen, es betrifft die Gesundheit von Kindern, die Lebensqualität von Betroffenen und letztlich auch die Verantwortung gegenüber unseren kommenden Generationen. Die EVP setzt sich seit jeher für den Schutz des menschlichen Lebens und für gesunde Lebensgrundlagen ein. Dazu gehört auch, mögliche Belastungen unserer Umwelt ernst zu nehmen. Wenn Hinweise auf negative Auswirkungen von Pestiziden, z. B. von PFAS und anderen Schadstoffen, bestehen, dann dürfen wir diese Fragen nicht einfach auf die Seite schieben, sondern wir müssen hinschauen.
Gleichzeitig teilen und anerkennen wir die Einschätzung des Regierungsrates, dass belastbare Erkenntnisse nur im Rahmen eines koordinierten Vorgehens und eben auch eines nationalen Vorgehens gewonnen werden können. Die Ursachen sind komplex, die Datenanlage ist anspruchsvoll, und kantonale Alleingänge stossen hier an ihre Grenzen. Wir schliessen daraus aber nicht das Gleiche wie der Regierungsrat, dass man diese Motion oder dieses Anliegen nur in Form eines Postulats umsetzen kann. Vielmehr soll der Kanton Bern gerade aufgrund seiner Grösse und der bisherigen Studienergebnisse, die eben zeigen, dass wir am stärksten betroffen sind, seine Verantwortung hier wahrnehmen, sich also proaktiv in die nationale Diskussion und Forschung einbringen und auch koordinativ vorgehen.
In diesem Zusammenhang begrüssen wir z. B. gerade den One-Health-Ansatz, den der Regierungsrat in seiner Antwort erwähnt. Für die EVP geht es also nicht um Alarmismus, sondern um Verantwortung, und verantwortungsvolle Politik schaut hin, wenn Hinweise auf ein mögliches Gesundheitsproblem vorliegen. Wir fordern also mit dieser Motion, diesen Hinweisen auf den Grund zu gehen, um nachher faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Aus diesen Gründen unterstützt die EVP-Fraktion diese Überweisung einheitlich als Motion. Wir werden selbstverständlich auch das Postulat unterstützen, falls gewandelt wird.