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Reto Müller · SP

de
Grosser Rat (BE)04/03/2026
Reto Müller, Langenthal (SP), Fraktionssprecher. Die Motion stellt unseres Erachtens eine reale Entwicklung fest. Die Sommer werden heisser, die Hitzetage nehmen zu, und viele Menschen leiden darunter, insbesondere in dicht bebauten Gebieten und schlecht isolierten Wohnungen oder Häusern. In diesem Punkt hat die Motion recht. Die Klimaerwärmung ist Realität, und wir müssen Wege finden, wie wir unsere Gebäude, Städte und Dörfer an ein wärmeres Klima anpassen.

Aber genau hier liegt auch das Problem, das wir mit diesem Vorstoss haben. Die Motion zieht aus dieser Entwicklung eine für uns sehr verkürzte Schlussfolgerung. Wenn es heisser wird, soll man Klimageräte installieren, einfacher installieren, und zwar mit einer Meldepflicht statt einer Baubewilligung. Das greift aus unserer Sicht zu kurz.

Erstens blendet der Vorstoss aus, dass Kühlung nicht einfach eine technische Einzelmassnahme ist, sondern Teil eines gesamten Gebäudesystems sein sollte. Einzelne Split-Klimageräte an Fassaden sind häufig eine sehr fragmentierte Lösung. Ein Gerät pro Zimmer, ein Gerät pro Wohnung, mehrere Geräte pro Haus. Die Resultate kennt man von vielen Städten ausserhalb der Schweiz. Fassaden, an denen an jeder Seite verschiedene Klimageräte hängen. Das ist aus unserer Sicht aber nicht nur eine Frage des Ortsbilds, es betrifft auch den Lärm, die Energieeffizienz und die langfristige Entwicklung unserer Gebäude. Der Regierungsrat weist zu Recht darauf hin, dass solche Anlagen das Erscheinungsbild von Gebäuden verändern können und wegen möglichen Lärmimmissionen geprüft werden müssen.

Zweitens verkennt die Motion, dass aus unserer Sicht bei einer Anpassung an die Hitze zuerst bei den baulichen Massnahmen, bei den Ursachen angesetzt werden sollte. Eine gute Dämmung, ein wirksamer Sonnenschutz, Verschattung, Begrünung und Entsiegelung – all das reduziert die Hitze ohne zusätzlichen Stromverbrauch, auch ohne PV-Strom. Auch der Regierungsrat betont, dass genau solche Massnahmen prioritär sind. Wenn wir stattdessen einfach den Einbau von einzelnen Klimageräten erleichtern, riskieren wir eine Entwicklung, bei der die Symptome bekämpft werden, aber nicht die Ursachen.

Dritter Punkt: Wenn eine Kühlung notwendig ist, sollten wir eben systemisch denken, zum Beispiel über zentrale Kühl- und Wärmesysteme, über Quartierlösungen oder über reversible Wärmepumpensysteme nachdenken. Solche Lösungen sind effizienter und koordinierter und verursachen weniger Lärm und weniger visuelle Belastung. Der Motionstext hingegen sagt: individuelle Lösungen, in jeder Wohnung soll jeder Mensch machen, was er will und organisiert dadurch dann eben seine eigene Kühlung.

Für uns von der SP-JUSO ist klar: Eine Anpassung an die Klimakrise ist notwendig. Aber sie muss planerisch, effizient und sozialverträglich erfolgen. Wir wollen Städte, Dörfer und Gebäude, die sich dank guter Planung weniger aufheizen. Wir wollen Lösungen, die energetisch sinnvoll sind. Deshalb folgen wir dem Regierungsrat und lehnen diese Motion deutlich ab. Merci vielmals.

Transcrição
tagblatt.gr.be.ch
Instituição
Grosser Rat

Dados: OpenParlData · CC BY 4.0