Hansjörg Haller · EVP
Grosser Rat (TG)09/09/2020
Ich frage mich, was die Primar- und Sekundarschüler zu diesen Voten sagen würden. Ich gehe davon aus, dass sie den Kopf schütteln würden. Wir sollten sie fragen, wie sie gerne lernen möchten und ihnen nicht sagen, wie sie zu lernen haben, und zwar egal, ob Knaben oder Mädchen. Die Kinderärztinnen haben mich aufgerüttelt und daran erinnert, dass ich in meiner Tätigkeit als Therapeut ebenfalls mit Eltern von Kindern, die in der Schule Schwierigkeiten hatten, konfrontiert wurde. Meistens handelte es sich dabei um Knaben, beispielsweise mit ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Meine erste Frage an die Eltern war jeweils, was diese Knaben gerne machen und wie lange sie bei dieser Tätigkeit bleiben. Die Antwort war jeweils: eine halbe Stunde, drei viertel Stunden, eine Stunde. Soviel zum Thema Konzentration. Aufgrund meiner Erfahrung gehe ich davon aus, dass das von den Kinderärztinnen Geschilderte nur die Spitze des Eisberges ist. Darunter verstecken sich noch ganz viele Kinder, Knaben und manchmal auch Mädchen, die mit dem Schulsystem Schwierigkeiten haben und darum mit Psychopharmaka und anderen Mitteln wie Schlafmittel oder Aufputschmittel abgefüllt werden. Das ist kein Witz, sondern passiert nicht selten. Das sind Fakten. Ein Fakt ist auch, dass manche Kinder auf Primar- und Sekundarstufe Suizidgedanken haben, weil sie den Eindruck haben, in dieser Gesellschaft nicht zu genügen, ihre Fähigkeiten nicht gefragt sind, sie in die Therapie müssen und nicht normal sind. Das habe ich von Eltern und Jugendlichen so gehört. Hier wird stigmatisiert. Auch wenn wir behaupten, dass wir das vermeiden wollen, geschieht es trotzdem. Ich schlage vor, dass sich eine Delegation mit diesen Kinderärzten, anderen Betroffenen, Eltern und Jugendlichen zusammensetzt, um zu klären, welche Massnahmen nötig sind.