Förderung der Biodiversität: Für eine pestizidfreie Gemeinde Bern
(2019.SR.000019)- DiscursoDiscursoPräsidentinStadtrat
Präsidentin: Danke, Marieke. Wir nehmen den Begründungsbericht zur Kenntnis.
- DiscursoMarieke Kruit(Sozialdemokratische Partei)Marieke Kruit, Direktorin TVSStadtrat
Marieke Kruit, Direktorin TVS: Geschätzte Anwesende, die Stadt Bern verzichtet heute grundsätzlich auf chemisch-synthetische Pestizide, ausser eben in wenigen begründeten Ausnahmefällen. Auch biologische Pflanzenschutzmittel werden nur zurückhaltend eingesetzt. Wo immer möglich werden mechanische oder thermische Massnahmen eingesetzt. Die möglichen Ausnahmen betreffen: Auf den Sportrasenflächen können Pilzerkrankungen dazu führen, dass die Rasennarbe komplett abstirbt und dadurch der Spielbetrieb nicht mehr sichergestellt werden kann. Aus diesem Grund werden diese Rasenflächen in akuten Notfällen, und wirklich nur dann, mit einem Fungizid behandelt.
Die Rosenrabatten, die schon erwähnt wurden, können ohne Pestizide nicht unterhalten werden. Auch hier kommen jedoch nur Mittel zum Einsatz, die wirklich für den biologischen Landbau zulässig sind, also zugelassen sind. Und dann hat mir Stadtgrün mitgegeben, dass zum Beispiel ausdauernde Wurzelunkräuter nicht mit biologischen Produkten bekämpft werden können. Falls mechanische Methoden versagen, werden darum auch Einzelstockbehandlungen mit einem Herbizid durchgeführt. Dabei wird aber gänzlich auf den Wirkstoff Glyphosat verzichtet. Also, wir geben uns wirklich sehr viel Mühe, aber es ist nicht immer überall vermeidbar.
- DiscursoDiscursoPräsidentinStadtrat
Präsidentin: Danke, Katharina. Gibt es weitere Fraktionserklärungen? -Gibt es Einzelvoten. Dann hat Marieke Kruit für den Gemeinderat das Wort.
- DiscursoKatharina Gallizzi(Grünes Bündnis)Katharina Gallizzi (GB) für dieStadtrat
Katharina Gallizzi (GB) für die Fraktion: Es geht uns ähnlich wie Timur. Wir haben den Begründungsbericht eigentlich grossmehrheitlich mit Freude gelesen. Man sieht, dass in der Stadt beim Thema Pestizide eine grosse Sensibilität vorhanden ist, und man sieht, dass die Stadt sehr bemüht ist, den Verzicht auf Pestizide weiter voranzutreiben.
Das grösste Defizit besteht aus unserer Sicht aber nach wie vor bei den landwirtschaftlichen Pachtbetrieben. Deshalb haben wir im November die Motion "Landwirtschaftsbetriebe und -flächen in Bern auf biologische Nutzung umstellen" überwiesen. Das heisst, wir müssen jetzt eigentlich auch nicht mehr weiter darauf eingehen. Neben dem Landwirtschaftsteil sind mir noch ein paar andere Sachen ins Auge gestochen. Zum Beispiel scheinen Rosenrabatten die einzigen Bepflanzungen zu sein, die nicht ohne Pflanzenschutzmassnahmen unterhalten werden können. Auch wenn Stadtgrün hier nur vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) zugelassene Substanzen verwendet, kann man sich schon irgendwie fragen, ob der Anbau von Rosen noch zeitgemäss ist. Natürlich sind Rosen schön, aber es gibt ja auch Hunderte andere schöne Blumen, die auch schön sind und ohne Pflanzenschutzmittel leben können. Daher wäre das mein Antrag. Vielleicht auch der Rosengarten: Ich weiss, ich mache mir jetzt nicht viele Freunde, aber man könnte ja auch einen Wildblumengarten oder irgendetwas daraus machen.
Es ist auch eine Freude für uns zu hören, dass bereits in einige Baurechtsverträge ein Verbot von Pestiziden aufgenommen wird. Das scheint uns ein guter Hebel zu sein und der sollte aus unserer Sicht konsequent ausgenutzt werden. Wir fordern den Gemeinderat auf, die Praxis auszuweiten und das Pestizidverbot in allen Baurechtsverträgen standardmässig festzuschreiben.
Im Bereich Beratung von Privaten und Unternehmen leistet die Fachstelle Natur und Ökologie wirklich fantastische Arbeit. Wie im Vortrag erwähnt, sollte das Handbuch "Biodiversität" eigentlich ein Standardwerk sein und in jedem Berner Haushalt vorhanden sein. Leider hat die Fachstelle ein riesiges Aufgabengebiet und nicht so wahnsinnig viele Ressourcen. Deshalb finden wir eine Stellenaufstockung nötig und sinnvoll, um die Biodiversität in der Stadt Bern weiter gezielt zu fördern. Wie gesagt, nehmen wir den Begründungsbericht positiv zur Kenntnis und wünschen uns, dass Bern den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt.
- DiscursoDiscursoPräsidentinStadtrat
Präsidentin: Merci, Timur. Gibt es Fraktionserklärungen? – Katharina Gallizzi für die GB/JA!-Fraktion.
- DiscursoTimur Akçasayar(Sozialdemokratische Partei)Timur Akçasayar (SP) für dieStadtrat
Timur Akçasayar (SP) für die Einreichenden: Ich spreche hier gerade im Namen der SP/JUSO und kann es eigentlich sehr kurz machen. Mit der Antwort, also mit dem Begründungsbericht des Gemeinderates bin ich im Grossen und Ganzen zufrieden. Er ist schon um einiges besser als die erste Antwort auf den Vorstoss.
Denn dass die Stadt Bern schon heute mit wenigen begründeten Ausnahmefällen auf die Verwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden verzichtet, ist eigentlich richtig und auch notwendig. Auch dass sie die biologischen Pflanzenschutzmittel zurückhaltend einsetzt, ist richtig; auch dass wo möglich immer mechanische und thermische Massnahmen eingesetzt werden. Deshalb bin ich auch dem Gemeinderat dankbar für die ausführliche Antwort im Begründungsbericht und auch für die Aufführung, wo die einzelnen Stellen sind. Man muss dann einfach ein bisschen nachschauen und auch in Zukunft ein bisschen aufpassen, was an diesen einzelnen Stellen passiert. Meine Sorge ist, dass aufgrund des Ressourcen- und Spardrucks, der herrscht, aber auch wegen des Fachkräftemangels auf die arbeitsintensive Vernichtungsmethoden verzichtet wird und vermehrt zur chemischen Keule zurückgerudert wird.
Es gibt einfach noch eines zu bedenken. Es gibt sehr viele Absichten und Konzepte und auch Verpflichtungen, zum Beispiel auch bei den Schrebergärten dahingehend, dass die keine Pestizide brauchen sollen. Aber wie man so schön sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Es wäre auch ein bisschen an der Verwaltung zu schauen, dass sie nicht nur Absichtserklärungen und Vereinbarungen trifft, sondern diese auch kontrolliert. Merci.
- DiscursoDiscursoPräsidentinStadtrat
Präsidentin: Wir fahren fort mit Traktandum 7. Es ist ein Begründungsbericht zu einer interfraktionellen Motion. Der Bericht wurde zur Traktandierung beantragt, und ich erteile den Einreichenden das Wort. – Wer wird für die Einreichenden sprechen? – Timur Akçasayar von der SP/JUSO-Fraktion.
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