Manuel C. Widmer · GRÜNE

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Gran Consiglio (BE)6 mar 2025
Manuel C. Widmer, Bern (GRÜNE), Mitmotionär, Fraktionssprecher. «Typisch»: Das war das Erste, das ich in der Kommentarspalte der Zeitungsberichte zu diesem Vorstoss lesen konnte. «Typisch, die Grünen wollen wieder einmal etwas verbieten.» Ja, ganz genau.

Genau darum geht es. Heute geht es darum, den Verkauf von Einweg-E-Zigaretten im Kanton Bern zu verbieten, nicht weil wir einfach Freude daran haben, Dinge zu verbieten, sondern weil die Einweg-E-Zigaretten, weil die Vapes, weil die Puffs ein Problem darstellen, eines, das sich kaum anders lösen lässt, als dass man sie verbietet.

Wenn Sie die Kommentare in «Der Bund» und in der «Berner Zeitung» (BZ) zu den Artikeln zu diesem Thema lesen, merken Sie schnell, dass ein paar Leute anfangen, ein Hohelied auf die Freiheit zu singen und dass einem schnell die Bilder des 80er-Jahre-Marlboro-Manns heraufkommen, der frei durch die Prärie reitet. «Alter», würden meine Schüler in diesem Moment sagen, «Alter, chills mal.»

Sprechen wir also zuerst chilled darüber, worum es in diesem Vorstoss nicht geht: Es will niemand niemandem das Rauchen verbieten. Es will niemand niemandem das Rauchen von Vapes oder von Puffs verbieten. Es will niemand niemandem vorschreiben, welche Vapes mit welchen absurden Aromen er verdampfen darf. Das Einzige, was dieser Vorstoss will, ist ein Verkaufsverbot von Einweg-E-Zigaretten im Kanton Bern, und das aus gutem Grund oder besser aus guten Gründen.

Zuvorderst steht die Gesundheit. Es liegen leider noch keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen des Konsums von Liquids vor. Allerdings gehen Fachleute heute davon aus, dass sich die Auswirkungen auf die Gesundheit im Rahmen des Tabakkonsums bewegen. Zudem weiss man noch wenig über die Inhaltsstoffe ... (Der zweite Vizepräsident bittet um Ruhe im Saal. / Le deuxième vice-président réclame le silence dans l’assemblée.)

Allerdings gehen Fachleute heute davon aus, dass sich die Auswirkungen auf die Gesundheit im Rahmen des Tabakkonsums bewegen. Zudem weiss man noch wenig über die Inhaltsstoffe der verdampften Flüssigkeiten. Man weiss aber, dass sich inhalierte Aromastoffe aus E-Zigaretten nicht nur auf die Lunge auswirken, sondern auch auf das Herzkreislaufsystem.

Das Angebot an aromatisierten Räuchlein – Kiwi, Mint Cream, Vanille, Caramel oder Granatapfel-Himbeer-Wassermelone – richtet sich zudem offensichtlich v. a. an ein jugendliches Konsumentinnenpublikum. Bei diesen sind die gesundheitlichen Risiken erhöht und ein Suchtpotenzial gross. Etwa fünf Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren konsumieren heute im Kanton Bern Vapes. Dafür haben wir hier in diesem Saal eine Verantwortung. Es reicht nicht, Freiheit zu rufen und nachher wegzuschauen.

Aber auch für die Umwelt und für die Abfallentsorgung sind Vapes eine Gefahr. Nach ein paar 100 Zügen landen die Einwegzigaretten im Abfall oder in der Natur. Plastik, Elektroteile, Lithium-Ionen-Batterien und Liquidreste gelangen in den Boden, ins Wasser, in die Luft oder – Sie haben es gehört – explodieren in einer Kehrichtverbrennungsanlage (KVA).

Und ja, ein schweizweites Verbot wäre zu begrüssen. Aber wenn jene in Bern oben bei diesem Thema ähnlich chillen wie bei der Umsetzung der Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung (Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung)», dann erlebt dies hier in diesem Saal wahrscheinlich niemand mehr als Grossrätin oder als Grossrat. Je mehr Kantone den Kantonen Jura und Wallis folgen, desto grösser wird der Druck. Weshalb wir in Bern nicht können sollen, was andere Kantone können, bleibt mir in der Antwort des Regierungsrates ein Rätsel.

Übrigens: Verboten sind Einweg-Vapes heute schon, z. B. in Belgien, Ungarn, ab Juni in England, Indien, Taiwan, Thailand, Argentinien, Brasilien, Mexiko oder in ganz Australien – alles Länder, die nicht für einen hohen Anteil an Grünen bekannt sind.

Wenn Sie heute dieser Motion zustimmen, nehmen Sie niemandem etwas weg, aber Sie tun etwas für die Umwelt und etwas für die Gesundheit der Jugendlichen. Niemand verliert auch nur ein bisschen Freiheit. Sie dürfen nach wie vor Mehrweg-Vapes rauchen, wo es nicht gerade verboten ist, wie z. B. hier in diesem Saal – aber dafür sind auch nicht wir Grünen verantwortlich.

Aber wir wären stolz, wenn wir heute als grüne Fraktion unseren Teil zu diesem Verkaufsverbot beitragen könnten und würde Ihnen Merci sagen, wenn Sie auch mithelfen würden.

Trascrizione
tagblatt.gr.be.ch
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