Ernst Dobler · Die Mitte
Dobler-Oberuzwil (im Namen der Mitte-EVP-Fraktion): Auf den Bericht ist einzutreten.
Rund fünf Jahre nach der Kenntnisnahme des Berichts «St.Galler Energiekonzept 2021–2030» (40.20.05) ist es an der Zeit, über die Wirkung und die weitere Entwicklung zu diskutieren. Das Thema Energie ist in der politischen Agenda wieder etwas weiter nach hinten gerückt. Andere sind heute wichtiger geworden: Der drohende Wohlstandsverlust mit den verschiedensten Ursachen und die Angst vor Krieg in Europa beschäftigen uns zurzeit mehr. Dass jetzt Staaten wie die USA das Pariser Klimaabkommen kündigen, macht die Sache nicht einfacher. Dabei ist die sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung in unserer Zivilisation eine der wichtigsten Voraussetzungen – wenn nicht sogar die wichtigste – zur Bewältigung der übrigen Herausforderungen. Ist sie gestört, kann es lebensbedrohlich werden. So wird auch in den Kriegen versucht, gezielt die Energieinfrastruktur des Gegners zu zerstören. Deshalb wird im Spannungsdreieck «sauber, bezahlbar und sicher» der Fokus eher wieder auf «sicher» gelegt.
Mit dem Energiekonzept 2021–2030 hat sich der Kanton folgende Ziele gesetzt: Zubau von 1'100 GWh neuer erneuerbarer Energien; der jährliche Strombedarf soll konstant bleiben; 50 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990, und die Energieeffizienz soll gegenüber dem Jahr 2010 um 40 Prozent erhöht werden. Während der Zubau von erneuerbaren Energien und die Plafonierung des Strombedarfs momentan noch auf Kurs sind, wurde die Reduktion der CO2-Emissionen deutlich verfehlt. Um das Ziel, die CO2-Emissionen zu reduzieren, zu erreichen, hätten wir ohne weitere Massnahmen beim Nutzerverhalten rund 500 GWh zusätzlichen Strom verbraucht. Weder Wärmepumpen noch E-Mobile laufen mit Zuckerwasser – und auch nicht mit Luft und Liebe. Somit wäre das eine Ziel nicht erreicht worden.
Erlauben Sie mir eine persönliche Einschätzung. Die Strategien haben auf allen Ebenen einen grossen Fehler: Sie sind v.a. auf die Anwendung der Energie fokussiert. Diese Technologien sind marktreif und haben sich in der Praxis mehr oder weniger bewährt. Wärmepumpen gibt es bereits seit 30 Jahren und E-Mobile auch schon seit zehn Jahren. Das ist relativ einfach umzusetzen. Solange wir die Stromversorgung nicht nachhaltig lösen, betrügen wir uns selbst. Die Schweiz verursacht im Inland 0,1 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses, ist aber durch den Import von Konsumgütern für die zweieinhalbfache Menge verantwortlich. Es braucht also Anstrengungen in der Stromversorgung und Stromerzeugung, aber auch in unserem Konsumverhalten.