Heinz Keller · SVP
Gran Consiglio (TG)13 ago 2025
Ich vertrete die grossmehrheitliche Meinung der SVP-Fraktion. Wir danken den Motionären, dass sie sich dieses wichtigen Themas angenommen haben, und der Regierung für die Beantwortung, wobei wir bei letzterer nicht ganz mit dem Antrag einverstanden sind. Es geht hier absolut nicht darum, Bürgerinnen und Bürgern zu sagen, wer wie zu schreiben und sich auszudrücken hat. Hier geht es lediglich darum, auf die Anwendung der Gendersprache und deren Sonderzeichen in Schulen und im öffentlichen Gebrauch zu verzichten. In der Beantwortung nimmt sich der Regierungsrat des Begriffs "Gendersprache" an und macht geltend, dass es sich dabei lediglich um ein sprachliches Konzept handelt. Die Regierung rät, dieser Motion nicht zuzustimmen. Eine Verankerung sei nicht notwendig, da man sich an die Vorgaben des Rates der deutschen Sprache halte – wobei diese in den Schulen sehr unterschiedlich angewendet werden. Wir sehen das ein bisschen anders. Pro Gendersprache werden ja vielfach Argumente wie die Förderung der Offenheit des Denkens, des gesellschaftlichen Wandels, der Sensibilisierung des Bewusstseins für Inklusion oder eine gerechte Gesellschaft ins Feld geführt. Der Vorwurf, dass wir gegen diese Punkte sein sollen, ist Blödsinn. Entschuldigen Sie den Ausdruck. Es geht hier nicht um den Ausschluss von Menschen, die sich nicht in das binäre System einfügen können. Darum geht es nicht. Die Anwendung von Gendersprache ist für diese auch nicht hilfreich, eher im Gegenteil. Es ist klar festzuhalten: Diese Motion richtet sich nicht gegen Menschen oder Lebensformen und schon gar nicht gegen Vielfalt. Es soll nicht bewertet oder geurteilt werden, und es soll vor allem auch nicht ausgeschlossen werden. Es hat gar nichts mit Inklusion und Ausschluss zu tun. Jeder darf und kann sein Leben gestalten, wie er möchte. Es geht lediglich darum, im öffentlichen Gebrauch und in den Schulen sicherzustellen, dass die Sprache einfach bleibt, so wie sie ist – ohne Spezialregeln, welche uns von selbsternannten Wächtern aufgezwungen werden. Im Schulunterricht ist dies extrem wichtig. Der Fokus wird nämlich hier auf die Form der Sprache beschränkt und nicht mehr auf die Inhalte. Die Komplexität erhöht sich, die Sprache wird ungelenk, und es kommt zu Stilbrüchen – und es darf auf keinen Fall in die Bewertung von Arbeiten im Schul- und Ausbildungssystem einfliessen. Die erzwungene Anwendung wirkt sich nämlich negativ aus. Wir richten uns nach dem Rat der deutschen Rechtschreibung, welcher aktuell diese Wortbinnenzeichen nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie zählt. Dies schliesst ja nicht eine plötzliche Anpassung aus, zumal der Rat dieses Phänomen, wie er das bezeichnet, bereits in einem Sonderzeichenkapitel beobachtet. Ein Blick über die Grenzen zeigt auch: Im deutschen Kanzleramt wurde die Anwendung von Gendersprache vor zwei Wochen verboten. In Schulen in Bayern, Hessen, Sachsen oder Schleswig-Holstein wie auch in Frankreich ist sie untersagt. Grundsätzlich ist es uns ein Anliegen, Gesetze und Vorschriften zu vermeiden oder sogar zu verhindern. Manchmal ist es jedoch notwendig, Prävention zu betreiben. Genau das ist hier der Fall. Mein Fazit ist: Die Diskussion um die geschlechterneutrale Sprache ist ein sehr komplexes Thema, welches sprachliche, aber auch sehr stark gesellschaftliche Aspekte beinhaltet. Stellen wir sicher, dass die Sprache in der reinen Form, in der sie besteht, bestehen bleibt und dass niemandem irgendetwas aufgezwungen wird – und dass vor allem auch keine Instrumentalisierung betrieben wird. Geben wir den Kindern die Möglichkeit, die Verständlichkeit der Sprache einfach zu lernen, so wie sie jetzt ist. Wir brauchen Werte wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Nächstenliebe, gegenseitige Toleranz und gegenseitiges Verständnis – aber von allen. Die SVP-Fraktion unterstützt beide Anliegen der Motion grossmehrheitlich.