Tanja Miljanović · Grüne Freie Liste
Tanja Miljanovic (GFL) für die Fraktion: Die Geschichte der sogenannten versteckten Kinder ist ein verdrängtes Kapitel der Schweizer Migrationsgeschichte. Sie zeigt, wie lange in diesem, unserem Land Arbeitskraft willkommen war, Menschenrechte aber nicht. Auch in Bern lebten vermutlich Kinder von Saisonniers-Familien über Jahre im Versteck, ohne Kindergarten, ohne Schule, ohne Zugang zur Gesellschaft, illegalisiert, weil sie unwillkommene Kinder von willkommenen, ja herbeigesehnten Arbeitskräften waren. Die GFL unterstützt den Vorstoss ausdrücklich. Denn es braucht eine sichtbare und aktive Anerkennung dieses Unrechts. Es geht hier nicht allein um eine historische Aufarbeitung, sondern auch um politische Verantwortung. Auch unsere Stadt war Teil dieses unmenschlichen und ausbeuterischen Systems. Sie hat, wie viele andere, profitiert, geschwiegen und weggeschaut. Gleichzeitig ist es nicht Aufgabe der Stadt, das Saisonnierstatut, im Alleingang aufzuarbeiten. Solche Prozesse müssen wissenschaftlich begleitet und gesellschaftlich breit abgestützt werden. Die Stadt ist keine historische Forschungsinstitution. Dafür gibt es die Universität und andere Einrichtungen. Die bereits bestehenden Unterstützungsleistungen etwa über die Denkmalpflege oder mit Beiträgen an wissenschaftliche Projekte sind sinnvoll und richtig. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass solche Prozesse partnerschaftlich geschehen, nicht von oben herab, nicht als Symbolpolitik, sondern als echter Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft, den Betroffenen und der Politik. Die Frage nach Wiedergutmachung, auch symbolischer, ist berechtigt, aber sie muss gemeinsam beantwortet werden. Die Stadt kann diesen Dialog ermöglichen, anregen und unterstützen, sie muss ihn aber nicht allein führen. Danke.