Tabea Bossard-Jenni · PEV

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Grand Conseil (BE)15 mars 2023
Tabea Bossard-Jenni, Oberburg (EVP), Fraktionssprecherin. Wer einen Kugelschreiber vermisst, hier vorne wäre noch einer.

Die GLP fordert – oder die Motionäre, Entschuldigung, es ist ja nicht eine reine GLP-Motion ... Die Motionäre fordern sichere Schulwege, und die Regierung lehnt das ab. Das scheint für mich ein Widerspruch in sich. Die Regierung versteckt sich hinter Paragrafen, warum man Tempo 30 nicht vermehrt umsetzen könne und schiebt unter anderem bauliche Kosten vor. Für mich und für einen grossen Teil meiner Fraktion ist aber unbestritten, dass Tempo 30 die Sicherheit erhöht und dies auch ohne weitere bauliche Massnahmen.

Ich mutmasse einmal, die meisten hier im Saal haben einen Führerschein. Im Zusammenhang mit dem Theorie-Lernen hat man auch gelernt, dass beispielsweise der Bremsweg bei 50 km/h 25 Meter beträgt. Mit 30 km/h stehen Sie bereits nach 3 Metern. Der Reaktionsweg bei 50 km/h beträgt 15 Meter. Das heisst, in der Zeit, in der Sie mit 30 km/h komplett stehen, haben Sie mit 50 km/h noch nicht einmal reagiert, respektive mit dieser Strecke.

Braucht es bauliche Massnahmen, oder etwas negativer formuliert, brauchen wir bauliche Schikanen, damit wir Tempo 30 einhalten? Der Mensch ist irgendwie rational veranlagt, und wer einen Führerschein erwerben konnte, der kann als Minimalfähigkeit auch lesen. Für mich wäre es denkbar, dass man die Signalisation mit einer Begründung ergänzt, dass man beispielsweise schreibt – ein einfaches Wort –: Schulweg.

Ich habe es schon einmal erwähnt: Ich habe zwei Kinder, die beide im Vorschulalter sind. Sie lernen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Dem einen kann man sagen, das ist eine Kerze, die ist heiss, der versteht das und glaubt es mir. Dem anderen kann man sagen, das ist eine Kerze, die ist heiss, und er denkt sich, juhui, ich probiere das aus und er merkt, oh, die ist heiss, aber es könnte ja ein Zufallsresultat sein, und er probiert noch etwa dreimal, ob es jedes Mal stimmt. Adaptiert auf die Autofahrer könnte man jetzt sagen, ein Tempo-30-Schild sagt dem Autofahrer, hier solltest du Tempo 30 fahren. Der rational Erklärende begreift «Schulweg» und respektiert das. Der Autofahrer, der findet, ich probiere aus, ob man hier wirklich nur mit 30 km/h fahren soll und es vielleicht mit mehrmaligem Effekt lernen muss, dass es so ist, dem könnte man auch noch einen Blitzer hinstellen, und dann lernt er ziemlich schnell, dass man wirklich nur mit 30 km/h fahren soll.

Für Autofahrende, die finden, mit Tempo 30 kommt man nicht vorwärts auf der Strasse, das sollte man ablehnen, weil man ja zügig vorwärtskommen will, wenn man im Auto sitzt: Dem kann ich auch noch entgegenhalten, dass man gemäss Bundesamt für Statistik mit dem Auto im Durchschnitt ohnehin nur 37 km/h fährt und von daher gesehen ist es nicht eine Reduktion von 50 km/h auf 30 km/h, sondern eigentlich nur von 37 km/h auf 30 km/h.

Die EVP-Fraktion findet: Als Postulat unterstützen wir das Anliegen fast einstimmig. Als Motion: Da gibt es diverse formale Gründe, die bei einer Motion nicht dafür sprechen würden. Dort hätten wir ein Stimmverhalten von 3 zu 6.

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tagblatt.gr.be.ch
Institution
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