Melanie Gasser · PVL
Aber, geschätzte Motionärinnen und Motionäre, Sie haben eine Motion zurückgezogen, weil Sie gemerkt haben, der Gegenwind ist zu gross, es ist vielleicht nicht so eine gute Idee. Und wenn wir ehrlich sind, geht es Ihnen vor allem um Punkt 2 dieser Motion, welche die Aufweichung dieser Selbstdispensation für die Ärzteschaft zum Ziel hat. Man kann der Katze ja auch Büsi sagen.
Wieso stellt sich die GLP dermassen gegen die Aufweichung dieser Selbstdispensation? Wir verstehen den Leidensdruck der ländlichen Regionen, die Hände ringend versuchen, ihre Hausärztinnen und Hausärzte zu halten, versuchen, neue Hausärztinnen und Hausärzte in ihre Regionen zu bringen. Aber die Selbstdispensation, den Reingewinn, den die Ärztinnen und Ärzte damit erzielen können, ist nicht der Hauptgrund. Vielleicht, wenn eine Gemeinde ein bisschen bessere Bedingungen als die andere hat, dann ist man vielleicht in Steffisburg statt in Thun. Aber auch unsere Ärztinnen und Ärzte haben ein Privatleben, haben eine Familie, sind darauf angewiesen, dass ihre Kinderbetreuungsmöglichkeiten super sind, dass sie Tagesschulen haben. Es sind sehr viele Faktoren, die mitspielen.
Ein Blick über die Grenzen des Kantons zeigt auch: Die Selbstdispensation bringt uns nicht mehr Hausärztinnen und Hausärzte. Wir haben einfach insgesamt zu wenig. Wir müssen die Massnahmen ergreifen, z. B. in der Weiterbildung oder bei den Studienplätzen, die uns insgesamt mehr Ärztinnen und Ärzte bringen, und nicht einen Kampf zwischen den Regionen oder den verschiedenen Berufsgruppen starten.
Nachdem dieser Vorstoss aus unserer Sicht auch nicht die nötige Wirkung erzielen kann, die Sie sich offensichtlich erhoffen, ist es einfach auch ein wenig ein Spiel mit dem Feuer, auf Kosten der Patientensicherheit, der optimalen Medikamentenversorgung. Ich bestreite es nicht, die meisten Ärzte verschreiben die Medikamente einwandfrei. Aber wenn wir eine Apotheke drin haben, haben wir immer ein Vieraugenprinzip, vier Augen sehen immer mehr als zwei. Und wenn wir die Selbstdispensation stärken wollen, müsste aus meiner Optik die Medikunde einen viel höheren Stellenwert im Medizinstudium haben, als das heute der Fall ist.
Und, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Sie verlangen jetzt einen runden Tisch zwischen Parteien, die eigentlich ein bewährtes System hatten, bei denen wir schon immer haben darauf schauen müssen, dass sie gut und freundschaftlich, partnerschaftlich zusammenarbeiten können. Indem Sie das Thema hier auf die politische Ebene anheben mussten, haben Sie die Fronten verhärtet. Sie haben sie für lange Zeit verhärtet, und das wird nicht nur Auswirkungen bei dieser Frage der Selbstdispensation haben, sondern das wird auch ganz einfach Auswirkungen im Alltag der Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Apothekerschaft haben.
Ich habe einfach das Gefühl, es ist eine sehr schlechte Idee, dass Sie das gemacht haben. Denn seien wir ehrlich: Das Berner Modell, das wir haben, hat sich eigentlich grundsätzlich bewährt. Das stand gar nicht in der Kritik. Wieso hatten Sie jetzt das Gefühl, wir müssen Öl in einen Konflikt giessen, in dem das Feuer eigentlich schon fast erloschen war? Wir finden es wahnsinnig schade. Wir werden darum ganz sicher Punkt 2 ablehnen. Überlassen Sie doch die partnerschaftlichen Gespräche wieder den verschiedenen Berufsgruppen und mischen Sie sich nicht in die Fragen der Selbstdispensation ein. Sie zeitigen nur noch das Risiko von mehr Nebenwirkungen, die Sie vielleicht gar nicht gewollt hätten.