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Sarah Gabi Schönenberger · SP

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Grosser Rat (BE)10 sept 2025
Sarah Gabi Schönenberger, Schwarzenburg (SP), Fraktionssprecherin. Ich hoffe, dass ich reden kann, ich hatte gerade einen Zahnarzttermin, und die Spritze wirkt noch.

Wie stellen wir sicher, dass auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten genügend Ärztinnen und Ärzte in jedem Fachbereich tätig sind, in dem die Bevölkerung sie am dringendsten braucht? Wir steuern nicht in eine Versorgungskrise hinein, wie hier schon gesagt wurde, nein, wir haben heute bereits eine Versorgungskrise, und zwar in der Kinder- und Jugendmedizin – diese ist jetzt sogar noch stärker betroffen als die Hausarztmedizin, wie wir gehört haben –, weiterhin in der Hausarztmedizin, und wie gesagt in Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie auch in der Psychiatrie und Psychotherapie, und auch die Dermatologie ist besonders betroffen.

Schon heute kann die Nachfrage im Kanton Bern nicht mehr vollumfänglich gedeckt werden. Das führt zu langen Wartezeiten, Belastungen für Patientinnen und Patienten, für Angehörige und für die involvierten Fachpersonen. Es entstehen hohe Folgekosten, die mit einer funktionierenden Grundversorgung vermeidbar wären.

Wir brauchen mehr Studienplätze und wir müssen sie gezielt für unterversorgte medizinische Fachgebiete nutzen. Die Universität Bern hat die Zahl der Studienplätze zwar in den letzten Jahren erhöht, doch wir sind schon wieder am Limit. Noch immer finden Teile des Unterrichts in Provisorien statt, während dringend benötigte Neubauten erst in Planung sind.

Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb unter den Studierenden hoch. Viele erfüllen Zulassungsbedingungen, bekommen aber keinen Studienplatz. Wir verschenken hier Potenzial, Potenzial, das gerade in der Grundversorgung dringend benötigt wird. Ein zentraler Punkt ist auch, dass wir die Weichen schon im Studium stellen müssen. Wenn die meisten Studierenden später lieber Radiologie oder Orthopädie wählen, Bereiche, die überversorgt sind, dann liegt dies nicht nur an persönlichen Interessen, sondern eben auch an systemischen Anreizen, wie beispielsweise höheres Einkommen, geregeltere Arbeitszeiten, mehr Prestige.

Und deshalb braucht es gezielte Massnahmen, die die Attraktivität der Grundversorgung der Hausarztmedizin, aber auch der Pädiatrie und der Psychiatrie steigern, z. B. durch obligatorische Praktika in Hausarztpraxen, Mentoring, Coaching und Praxisassistenzprogramme. Die Erfahrung zeigt: Wer früh in der Ausbildung mit diesen Fachrichtungen in Kontakt kommt, entscheidet sich für diesen Weg und bleibt auch länger dabei.

Wir müssen also mehr Anreize schaffen, um eine gezieltere Lenkung zu erreichen. Und noch zu erwähnen ist, dass Ärztinnen und Ärzte mit Fachrichtung Hausarztmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie von der Zulassungsbeschränkung ausgenommen sind.

Ein ganz wichtiger weiterer zentraler Punkt: Wir müssen die Ärztinnen und Ärzte in den unterversorgten Medizinbereichen im Beruf und im Gesundheitssystem halten können, und das auf eine gesunde Art und Weise. Beispielsweise eben mithilfe von Mentoringprogrammen, die sie auf dem Weg in die Praxis begleiten und auch später noch. Wer sich noch daran erinnern kann: Ein überwiesener überparteilicher Vorstoss von mir aus dem Jahr 2019 sah genau solche Begleitungen – sprich Mentoring – vor, inklusive einer Kohortenstudie.

Die Stärkung des Instituts für Hausarztmedizin (BIHAM) an der Uni Bern ist ebenfalls zentral, denn das BIHAM ist prozentual, betreffend Vorlesungsschlüssel, und ressourcentechnisch immer noch unterdurchschnittlich aufgestellt. Das ist leider einfach leider ein Fakt. Und das BIHAM setzt sich eben genau und ganz konkret und praktisch für die Ausbildung und Förderung der nächsten Generation an Hausärzten, Hausärztinnen, für die Forschung und für Lehrpersonen in der Grundversorgung ein. Das ist ein wesentlicher Bereich in der Gesundheitsversorgung im Kanton Bern. Diesen jetzt am BIHAM mit medizinischen Fachbereichen zu ergänzen, die ausserordentlich von der Unterversorgung betroffen sind – beispielsweise eben der Bereich Pädiatrie –, wäre stringent, das haben wir anhand der BEKAG-Versorgungsumfrage 2025 gesehen, die das aufgezeigt hat, und das wurde uns auch mitgegeben.

Viertens: Die Investitionen sind notwendig, aber sie sind eben auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Mehr Studienplätze, bessere Infrastruktur und innovative Ausbildungsformate kosten Geld, aber jede/jeder fehlende Haus- oder Kinderarzt oder Haus- und Kinderärztin, jede nicht verfügbare psychiatrische Versorgung führt zu deutlich höheren Folgekosten für unser ganzes Gesundheitssystem.

Die Prävention und die Grundversorgung, das sind die kosteneffizientesten Pfeiler unseres Gesundheitswesens. Wer hier investiert, spart langfristig nicht nur Geld, sondern auch menschliches Leid. Der Kanton Bern trägt hier auch Verantwortung, diesen Pfeiler zu erhöhen. Aus diesen Gründen wird die SP-JUSO-Fraktion dem Vorstoss in allen Punkten klar zustimmen. Merci.

Transcripción
tagblatt.gr.be.ch
Institución
Grosser Rat

Datos: OpenParlData · CC BY 4.0