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Samuel Krähenbühl · SVP

de
Grosser Rat (BE)24 nov 2025
Samuel Krähenbühl, Unterlangenegg (SVP), Einzelsprecher. Bruno Vanoni hat mich mit seinem Blick ins 19. Jahrhundert nach vorne gelockt. Es ist ja noch spannend: Es gibt sogar erste Fotos des Ratssaals, wie er im Zusammenhang mit der 1830er-Verfassung umgestaltet worden war. Vorher sah dieser Ratssaal ja anders aus. Im Mittelalter sass der Schultheiss ungefähr dort, wo Kollega Fredy Lindegger aus dem Oberaargau sitzt; er ist quasi Schultheiss. Man hatte relativ harte Bänke, die sicher nicht so bequem waren, und schaute eigentlich in diese Richtung. (Der Redner deutet zur Fensterseite des Saals. / L’orateur désigne le côté fenêtre de la salle d’un signe de la main.)

Im 19. Jahrhundert wurde nachher eine Bestuhlung fast wie im englischen Parlament eingebaut, allerdings rund, aber es hatte damals noch keine Pulte. Das 19. Jahrhundert war also in vielerlei Beziehung anders. Was man vor allem wissen muss: Woher kommt das heutige System des Beieinandersitzens der Fraktionen? Diesbezüglich hat Bruno Vanoni schon recht: Das ist nicht ein Phänomen des 19. Jahrhunderts. Es ist ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, und es hängt mit dem Proporz zusammen. Im 19. Jahrhundert wählte man mittels Majorzwahlen, übrigens national wie auch den Grossen Rat, und dann hat man im Prinzip den Wahlkreis ... – Es gab zwar zum Teil auch Zweier- und Dreier-Wahlkreise, und dann wurde man dort gewählt, und die Partei war viel weniger wichtig. Es gab damals in diesem Sinn gar nicht Parteien wie heute. 1919, mit der neuen Bundesverfassung, und analog auch im Kanton Bern, führte man den Proporz ein, und so wurde damals auch das Element des Gemeinsamen – und auch ein bisschen des Ideologischen, das kann man nicht in Abrede stellen; das wird natürlich dadurch schon zum Ausdruck gebracht – eingeführt.

Ich muss Ihnen einfach sagen: Es ist ja schon gut, wenn man sich austauscht. Heute Mittag hatten wir einen Austausch mit Bildung Bern – da gibt es Gruppen, in denen man manchmal auch gemischt sitzt und in denen man zusammen reden kann. Das ist alles gut. Aber eben: Reden sollten wir sowieso nicht zu viel während der Debatte; das kommt noch dazu. Ich sage Ihnen einfach, was ich befürchte – und jetzt komme ich aus der Geschichte heraus in die Gegenwart: Es macht es einfach schwierig. Ich kann Ihnen sagen, wenn wir dies einführen, diskutieren wir während der ersten Hälfte der ersten Session einfach nur über das, und nach der ersten Stunde sagt der eine: «Ich kann dort nicht sitzen, nicht neben dieser Person, ich muss hierhin.» So wären wir nur mit uns selbst beschäftigt, und das kann nicht das Ziel sein.

Darum: Auch wenn es sogar Mitmotionäre aus der SVP gibt – Mathias Müller möge mir verzeihen, er ist manchmal ein bisschen ein Freigeist, und das macht ihn eigentlich auch sympathisch –, glaube ich wirklich, dass wir unseren Wählerinnen und Wählern verpflichtet sind und dass wir uns nicht selber beüben sollten. Vielleicht sollten wir ein bisschen mehr gemeinsame Anlässe organisieren: ein bisschen mehr zusammen jassen, ein bisschen mehr zusammen reden. Kollega Hiltpold hat, glaube ich, seit Jahren oder Jahrzehnten eine lustige Jass-Runde des Stadtrates in Thun, die sehr überparteilich ist. Solche Dinge sollten wir pflegen, anstatt uns hier mit uns selber und mit Sitzordnungen zu beschäftigen. Merci.

Transcripción
tagblatt.gr.be.ch
Institución
Grosser Rat

Datos: OpenParlData · CC BY 4.0