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Nora Soder · GRÜNE

de
Grosser Rat (BE)10 sept 2024
Nora Soder, Biel/Bienne (GRÜNE), Motionärin, Fraktionssprecherin. Seit meine jetzt einjährige Tochter mit mir zusammen durch das Leben geht, stehe ich immer wieder vor vielen Herausforderungen. Die grösste Hilfe war für mich immer der Austausch mit anderen Eltern, am liebsten an einem familienfreundlichen Ort ohne Konsumzwang. Genau dies und noch viel mehr bieten geleitete Familienzentren, die mit Hilfe dieses Vorstosses stärker unterstützt werden sollen. Es sind lokale Begegnungsorte mit Aktivitäten für Eltern ab der Schwangerschaft und für Familien mit Kindern zwischen 0 und 5. Sie sind eine Triagestelle für Angebote in der frühen Kindheit, wie z.B. die Mütter- und Väterberatung. Im Kanton Bern gibt es 33 dieser Projekte. Ihre Anzahl unterliegt aber hohen Schwankungen, weil ihr Weiterbestehen abhängig ist vom Engagement von Einzelnen und die Finanzierung eine grosse Herausforderung ist. Eine bessere finanzielle und strukturelle Unterstützung durch den Kanton ist darum wichtig.

Jetzt zu den einzelnen Ziffern. Ziffer 1: Hier ist es unbedingt notwendig, dass der Begriff weiter gefasst wird, damit jetzt schon bestehende Begegnungsorte für Familien auch eingeschlossen werden, die Familienzentren anerkannt werden und so Zugang zur Unterstützung bekommen.

Zu Ziffer 2: Die Familienzentren brauchen bei der Planung und beim Aufbau Ansprechpersonen, die beratend mitwirken. Gegen Ziffer 2 argumentiert der Regierungsrat, dass eine Professionalisierung einen Rückzug der Freiwilligen zur Folge hätte. Dagegen einzuwenden ist, dass es für die aktuell engagierten Freiwilligen sehr schwierig ist, ohne gute Rahmenbedingungen ihr Engagement aufrechtzuerhalten. Der positive Effekt der Forderung aus Ziffer 2 ist in anderen Kantonen klar ersichtlich. Ziffer 2 sollte darum nicht abgelehnt werden.

Zu Ziffer 3: Der Regierungsrat führt hier aus, dass es einen Mehraufwand generieren würde. Dem ist entgegenzuhalten, dass es schon brauchbare Leitfäden oder Richtlinien gibt. Es braucht also einfach eine vereinheitlichte Verschriftlichung der Grundlagen in betrieblicher Hinsicht, aber auch Organisationsmodelle mit Vor- und Nachteilen und Finanzierungsmodelle.

Zu Ziffer 4: Es braucht seitens des Kantons regelmässige Vernetzungsangebote, damit Weiterbildungen und Qualitätsentwicklungen möglich sind. Der Kanton Bern sollte zumindest bereit sein, auf seiner Webseite eine aktuelle Liste mit den Familienzentren wie auch Kontaktpersonen zu führen. Die Ziffer 4 darf darum nicht abgeschrieben werden.

Zu Ziffer 5: Studien haben ergeben, dass sich frühe Förderung aus wirtschaftlicher Sicht lohnt, respektive auszahlt. Für jeden Franken, den die Gesellschaft in die frühkindliche Bildung investiert, bekommt sie eine Rendite von mindestens zwei Franken zurück. Spätere Massnahmen sind zudem oft teurer. Angebote im Frühbereich, wie sie Familienzentren eben bündeln, müssen deshalb unbedingt von der Politik als systemrelevant anerkannt und mitfinanziert werden.

Wichtig sind für Familienzentren Leistungsverträge über mehrere Jahre, damit die Planungssicherheit auch gewährleistet ist. Z.B. könnten sie über eine kantonale Anstossfinanzierung Gemeinden motivieren, selbst den Hauptbeitrag an das Familienzentrum zu leisten, wie dies in anderen Kantonen auch schon gemacht wird.

Der Regierungsrat weist in seiner Antwort mehrfach auf die schlechten Kantonsfinanzen hin. Die Rechnung des Kantons 2023 hat aber besser abgeschlossen als budgetiert, und es wären vor allem nicht riesige Summen, von denen wir hier sprechen.

Hiermit kann ich zum Schluss auch noch bekanntgeben, dass die grüne Fraktion den Vorstoss als Motion in allen Punkten annimmt und gemeinsam mit mir ein klares Zeichen für die Investition in die Familien und die frühe Kindheit setzt. Danke, wenn Sie das auch so machen.

Transcripción
tagblatt.gr.be.ch
Institución
Grosser Rat

Datos: OpenParlData · CC BY 4.0