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Chantal Perriard · FDP.Die Liberalen

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Stadtrat (BE)7 may 2026Mitglied

Chantal Perriard (FDP) für die Fraktion: Wer denkt in der Stadt Bern eigentlich noch an das Gewerbe und insbesondere an die Geschäfte in der Altstadt? Die Berner Altstadt ist kein gewöhnlicher Ort. Sie ist seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe und gehört damit zu den bedeutendsten Kulturgütern der Welt. Aber was bedeutet das? Es geht nicht nur um Gebäude. Sonst wäre die Altstadt ein Museum. Es geht um Leben, Vielfalt und Nutzung. Die Berner Altstadt lebt von kleinen Läden, Ateliers und spezialisierten Geschäften und natürlich von der besonderen Atmosphäre unter den Lauben. Einkaufen in der Altstadt ist kein Konsum wie in einem Einkaufszentrum. Es ist ein Erlebnis und das Herzblut der Gewerbetreibenden ist spürbar. Hier treffen Menschen, Wohnen, Gewerbe sowie Fuss-, Velo- und Autoverkehr auf engem Raum aufeinander. Andere Städte wie Luzern setzen bewusst auf die Förderung und Belebung ihrer Innenstädte, unter anderem auch mit Unterstützungsmassnahmen und in enger Zusammenarbeit mit dem Gewerbe. Genau diesen Ansatz brauchen wir hier in Bern; nicht nur Regulierung und Kontrolle, sondern auch eine aktive Stärkung der Altstadt als Wirtschafts- und Begegnungsraum.

Viele Geschäfte stehen bereits heute unter erheblichem Druck, etwa durch hohe Mietkosten, verändertes Konsumverhalten oder den Onlinehandel. Gerade kleine Fachgeschäfte in der Altstadt verfügen oft nur über geringe Margen und sind auf Laufkundschaft, Sichtbarkeit und Spontankäufe angewiesen. Vor diesem Hintergrund sind die Einschränkungen bei den Geschäftsauslagen kritisch zu beurteilen. Es geht nicht um die Ablehnung notwendiger Regeln, sondern um eine verhältnismässige Umsetzung. Die neuen Vorgaben führen bei zahlreichen Gewerbetreibenden zu grosser Verunsicherung. Zudem spricht das Gewerbe von Umsatzeinbussen von rund 10%. Gerade kleinere Geschäfte, die auf Sichtbarkeit und spontane Kundschaft angewiesen sind, spüren die Auswirkungen besonders stark. Für gewisse Betriebe stellt sich zunehmend auch die Existenzfrage. Bereits heute stehen einzelne Ladenlokale leer. Der aktuellen Situation des Altstadtgewerbes wird aus unserer Sicht zu wenig Rechnung getragen. Hinzu kommt, dass das Altstadtgewerbe derzeit teilweise auch aufgrund kantonaler Vorgaben mit weiteren Einschränkungen und Regulierungen konfrontiert ist. Dazu gehören insbesondere kürzere Ladenöffnungszeiten am Samstag seit Anfang Jahr, zusätzliche Vorschriften bei der Schaufensterbeleuchtung, die aktuell umgesetzt werden.

Die Präsidentin bittet um Ruhe im Saal.

Aktuell wird national darüber diskutiert, wie Geschäfte bei Umsatzeinbussen infolge von Baustellen besser unterstützt werden können. In Bern ist das noch kein Thema. Umso wichtiger wäre es, die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Vollzugskonzepts umgehend ernsthaft zu untersuchen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Mehrere Medien haben in den vergangenen Wochen über die Sorgen des Altstadtgewerbes berichtet. Das zeigt, hier geht es nicht um Einzelfälle. Gleichzeitig sagt der Gemeinderat, es gebe positive Rückmeldungen, verfügt aber über keine belastbaren Zahlen und zu Frequenzen oder Umsätzen. Das genügt nicht. Und wir dürfen nicht vergessen: Die Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber tragen die Altstadt mit. Sie investieren, schaffen Arbeitsplätze und sorgen für die Vielfalt, die wir alle wollen. Aber sie tragen auch das wirtschaftliche Risiko. Und genau deshalb müssen wir ihre Sorgen ernst nehmen. Selbstverständlich müssen die Lauben hindernisfrei und sicher sein. Das bestreitet niemand. Aber eine perfekt regulierte Altstadt ist noch lange keine attraktive Altstadt. Denn, wenn wir ehrlich sind, stehen wir vor einer Grundsatzfrage: Wollen wir eine Altstadt, die nur verwaltet wird oder eine Altstadt, die lebt?

Wir regen an, dass der Gemeinderat eine umfassende Evaluation der Auswirkungen dieses Vollzugskonzepts auf Frequenzen, Umsätze und Aufenthaltsqualität, mehr Augenmass und Verhältnismässigkeit im Vollzug, pragmatische Einzelfalllösungen statt schematischer Anwendung, einen stärkeren Einbezug von Gewerbe, Bern City und den Altstadtleisten sowie ein Gesamtkonzept für eine lebendige und gleichzeitig hindernisfreie Altstadt aufzeigt. Denn eines ist klar: Das UNESCO-Weltkulturerbe besteht nicht nur aus Sandstein, sondern aus Menschen und Geschäften, die es mit Leben füllen. Besten Dank.

Transcripción
bern.recapp.ch
Institución
Stadtrat

Datos: OpenParlData · CC BY 4.0