Andreas Hegg · FDP
Ich spreche hier als Einzelsprecher und als KSE-Präsident. Aber nun kann ich Ihnen eines sagen: Als KSE-Präsident habe ich grösste Sympathie für Holz. Ich habe viel Holz zuhause an unserem Haus. In meiner Tätigkeit als Gemeindepräsident habe ich massgeblich mitgeholfen, dass wir die Curlinghalle aus Holz gebaut haben, das Feuerwehrmagazin, den Werkhof. Ich habe mitgeholfen, dass wir Holzbau Schweiz Lokale vermieten, sie sind jetzt vis-à-vis von mir. Und ich trage eine Holzbrille. Ich habe also wirklich viel Sympathie für Holz, das muss ich sagen. Auch das Scharnier ist aus Holz.
Aber ich habe auch grösste Sympathie für Beton, Kies. Wir haben die Bangerter-Grube in Lyss, seit über hundert Jahren. Sie waren die Ersten, die Betonelemente, Röhren, gemacht haben. Diese braucht es halt zwischendurch. Und wir haben einen zweieinhalb Kilometer langen Lyssbachstollen, der uns vor Hochwasser schützt, über 60 Kubikmeter pro Sekunde: Beton. Das braucht es einfach, das geht nicht anders.
Aber ich habe auch für den Stahlbau Sympathie. Wir haben viel Industrie, viele Stahlhallen. Das ist einfach zweckmässig. Und ich muss einfach sagen: Aus meiner Sicht ist für jeden Bau ein zweckmässiges Material zu wählen, und da können ganz viele verschiedene Faktoren mitspielen. Und wir müssen zu unseren Rohstoffen Sorge tragen, das ist mir wichtig. Und wir müssen aufhören, die einzelnen Baustoffe gegeneinander auszuspielen.
Aus meiner Sicht braucht es im Sinne der Kreislaufwirtschaft – das ist uns wichtig – und auch in der Begrenzung des ökologischen Fussabdrucks einen ganzheitlichen Ansatz. Wir müssen jedes einzelne Bauwerk anschauen, und zwar über seine ganze Lebensdauer. Das ist ebenfalls matchentscheidend. Bezüglich des CO₂-Ausstosses sind nämlich nicht nur die eingesetzten Baustoffe entscheidend, sondern auch die Betriebsphase, also: Wie heizen wir bspw. das Gebäude, wie kühlen wir es? Wie machen wir das Warmwasser? Wie ist es mit dem Strombedarf? Was ist mit den Sanierungen, die wir nach dreissig, vierzig, fünfzig Jahren machen? Und was ist am Schluss mit dem Rückbau, dem Recycling? Wir sprechen von Kreislaufwirtschaft. Das ist ein ganzheitlicher Ansatz, und das ist mir wichtig.
Einen ganzheitlichen Ansatz bildet übrigens auch die Bilanzierung nach der sogenannten Environmental Product Declaration (EPD), welche die EU jetzt dann einführt und wir wahrscheinlich in der Schweiz ebenfalls übernehmen werden.
Also: Betrachten wir doch zukünftig das einzelne Bauwerk über seine ganze Lebensdauer, von der Erstellung bis zum Abbruch, und hören wir auf, die einzelnen Baustoffe gegeneinander auszuspielen. – Aus diesen Überlegungen kann ich nur einem Postulat zustimmen und lehne eine Motion klar ab. Merci vielmals.