Agroscope zwischen Sparpolitik und nachhaltiger Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft. Wie sollen die Ziele bis 2050 erreicht werden?
(26.3901)- Antwort BR / Büro
Zu 1, 3 und 5) Der Bundesrat fokussiert das Portfolio von Agroscope auf Kernaufgaben zur Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die landwirtschaftliche Praxis, Grundlagen für agrarpolitische Entscheide sowie Vollzugsaufgaben. Bei der thematischen Konzentration trägt er dem Forschungsbedarf im Hinblick auf die Agrarpolitik nach 2030+ (AP30+) und das vom Bundesrat in seinem Bericht vom 22.06.2022 formulierte «Zukunftsbild 2050» (https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2020/20203931/Bericht%20BR%20D.pdf) Rechnung.
Zu 2 und 4) Agroscope wird seine durch Eigenmittel des Bundes finanzierte Forschung in den Bereichen gesunde Ernährung und neue Lebensmittelprodukte, alternative Nischenkulturen, Gewürz- und Medizinalpflanzen sowie Vertical Farming nicht weiterführen. In anderen Themen werden Projekte gekürzt und redimensioniert umgesetzt.
Zu 6 - 8) Die Fokussierung des Forschungsportfolios folgt agrarpolitischen Grundsatzentscheiden von Bundesrat und Parlament. Letzteres hat im Landwirtschaftlichen Zahlungsrahmen 2026-29 (BBl 2025 716) eine Stärkung der Pflanzenzüchtung, der Sortenprüfung sowie des Pflanzenschutzes beschlossen. Agroscope wird in diesen Bereichen weiter einen Schwerpunkt legen. Auch Lösungsbeiträge für die landwirtschaftliche Praxis zum Klimawandel sowie in den Bereichen Boden und Biodiversität werden weiter bereitgestellt.
Zu 9) Aktivitäten zur Transformation des Landwirtschaftssektors bleiben Teil des Forschungsportfolios von Agroscope. Neben Agroscope forschen auch weitere Institutionen im Landwirtschaftlichen Innovations- und Wissenssystems LIWIS zu diesem Thema.
Zu 10) Zur Einhaltung der Budgetvorgaben ist eine Fokussierung des Forschungsportfolios und somit der Leistungserbringung auf die Kernaufgaben von Agroscope unumgänglich. Agroscope wird auch mit fokussiertem Portfolio seine Rolle im Landwirtschaftlichen Innovations- und Wissenssystem LIWIS zugunsten der Land- und Ernährungswirtschaft wahrnehmen können.
- Eingereichter Text
Mit Medienmitteilung vom 16. Juni 2026 kündigte das WBF an, dass Agroscope aufgrund von Sparmassnahmen von Bundesrat und Parlament 58 Vollzeitstellen abbauen und verschiedene Forschungsthemen reduziert oder aufgegeben werden müssen.
Diese Kürzungen werfen grundsätzliche Fragen zur Kohärenz der Bundespolitik auf. Mit der AP30+ und dem Zukunftsbild 2050 verfolgt der Bundesrat ausdrücklich den Anspruch, die Politik von einer reinen Landwirtschaftspolitik zu einer umfassenden Politik für ein gesamthaftes Ernährungssystem weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig zeigt die kürzlich veröffentlichte Agroscope-Studie «Zukunftsbild eines nachhaltigen Schweizer Ernährungssystems: Wirkungsanalyse von Zielvorgaben.», dass zur Erreichung des Zielbilds 2050 tiefgreifende Veränderungen nötig sind. Dazu gehören insbesondere eine stärkere Nutzung von Ackerflächen für die direkte menschliche Ernährung und eine nachhaltige Transformation des heutigen Ernährungssystems. IM Widerspruch dazu werden nun ausgerechnet jene Themen (gesunde Ernährung, neue Lebensmittelprodukte und alternative Nischenkulturen) gekürzt, die für die Umsetzung des Zielbilds 2050 zentral sind.
Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
- Wie stellt der Bundesrat sicher, dass die mit dem Zukunftsbild 2050 verbundenen Transformationsziele trotz der angekündigten Budgetkürzungen und des Stellenabbaus bei Agroscope erreicht werden können?
- Im Arbeitsprogramm 2026–2029 wurde die Forschung zu nachhaltiger und gesunder Ernährung ausdrücklich als Schwerpunkt definiert. Wie plant der Bundesrat, diesen Schwerpunkt trotz der angekündigten Sparmassnahmen einzulösen?
- Welche Forschungsbereiche gelten künftig als «Kernaufgaben» von Agroscope und nach welchen Kriterien wurden diese definiert?
- Welche Forschungsprogramme und Themenfelder werden genau reduziert, eingestellt oder nicht weiterentwickelt?
- Wurde geprüft, ob die Fokussierung des Forschungsportfolios den Erkenntnissen der jüngsten Szenarien zum Zielbild 2050 widerspricht? Mit welchem Ergebnis?
- Wie wird sichergestellt, dass die Forschung zu neuen, robusten, klimaangepassten und ressourceneffizienten Pflanzensorten, Nischenkulturen und diversifizierten Anbausystemen weitergeführt werden kann, die für die Resilienz der Schweizer Landwirtschaft von zunehmender Bedeutung sind?
- Welche Auswirkungen haben die Sparmassnahmen auf die Forschung im Bereich Pflanzenbau im Vergleich zur Forschung im Bereich Tierhaltung?
- Welche Auswirkungen haben die Sparmassnahmen auf die Forschung zu Bodengesundheit, Wassereffizienz und Biodiversität?
- Welche Abschätzungen liegen dem Bundesrat zu den langfristigen volkswirtschaftlichen Kosten vor, falls heute notwendige Transformations- und Innovationsforschung aufgrund von Sparmassnahmen nicht oder verspätet durchgeführt wird?
- Ist der Bundesrat bereit, die Finanzierung von Agroscope im Hinblick auf die strategischen Ziele der AP30+ und des Zielbilds 2050 erneut zu prüfen?
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Datos: OpenParlData · CC BY 4.0