Ruth Gonseth · GRÜNE
Auch die grüne Fraktion lehnt die Motion Beerli, auch als Postulat, ab. Fachhochschulen wurden geschaffen, um Berufsleuten nach Abschluss der Berufslehre und allenfalls nach der Berufsmaturität oder der Erfüllung anderer Zulassungsbedingungen eine Ausbildung auf Hochschulstufe zu ermöglichen. Arbeitserfahrung ist also eine zentrale Voraussetzung für den Ausbildungsweg Fachhochschule. Diese Voraussetzung darf jetzt eben nicht unterlaufen werden, indem wir die Fachhochschulen auch für Maturanden öffnen. Die Fachhochschulgesetzgebung wurde mit dem klaren Ziel geschaffen, im Hochschulbereich neben der universitären Ausbildung eine gleichwertige Ausbildung mit einem berufsgeprägten, praktischen Ausbildungsgang zu schaffen. Dieser Grundsatz, wonach die beiden Ausbildungswege gleichwertig, aber nicht gleichartig sein sollen, wird nun mit der Motion Beerli bereits unterlaufen und durchlöchert. Darüber hinaus schafft der Vorstoss Beerli weitere Probleme auf verschiedenen Ebenen, die nicht wegdiskutiert werden können, zum Beispiel:
1. Die Fachhochschulausbildung soll betont praxisbezogen sein. Die Praxisbezogenheit erhält man aber nicht in der Schule, sondern eben in der Praxis. In der Berufslehre erlernt man nicht nur den gewählten Beruf, sondern auch Teamfähigkeit und Sozialkompetenz. All diese spezifischen Fähigkeiten machen das Besondere des Ausbildungsweges der Fachhochschule aus.
2. Es würde auch grosse Schwierigkeiten bringen, wenn man bei Studienbeginn Schüler und Schülerinnen mit ganz verschiedenen Voraussetzungen hätte. Auf der einen Seite würden nämlich jene mit einer abgeschlossenen Berufslehre stehen und auf der anderen Seite die Gymnasialabgänger und -abgängerinnen ohne praktische Berufserfahrung. [PAGE 331]
3. Es besteht die Gefahr, dass Fachhochschulen einfach zum Überlaufbecken der Universitäten würden.
Aus all diesen Gründen kommt auch die Eidgenössische Fachhochschulkommission zum Schluss, dass vorübergehende Probleme wie Fachkräftemangel in einer Branche, doppelte Maturaabgänge oder nicht genutzte Kapazitäten an einzelnen Schulen ungeeignete Argumente seien, um Änderungen in der Aufgabenstellung und im Leistungsauftrag der Fachhochschulen zu begründen. Fachhochschulen sind noch immer im Aufbau begriffen. Jetzt ist sicher der falsche Zeitpunkt, um das gute Konzept schon wieder aufzuweichen.
Deshalb bitte ich Sie im Namen der grünen Fraktion, der Mehrheit der WBK zu folgen und die Motion Beerli, auch als Postulat, abzulehnen.