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Rede

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Grosser Rat (BE)14.03.2023
Christoph Neuhaus, BVD-Direktor. Ich danke für diese bildungspolitische Debatte. Die Schülerzahlen an den Berner Gymnasien steigen, und bis in zwei Jahren werden wir 23 neue Klassen eröffnen. Das ist ein ganzes Gymnasium.

Zu Tom Gerber und zum Schwand: falsche Zone, zu wenig ÖV, zu wenig Platz. Aber ich habe mit einem Ohr gehört: In Bellelay hätte es noch Platz.

Wir müssen zudem auch die Gymnasien Hofwil und Neufeld und mittelfristig das Kirchenfeld und die Lerbermatt sanieren und während der jeweiligen Sanierung auslagern: Hofwil 2024–2027, das Neufeld 2027–2031, das Kirchenfeld 2031–2035, und danach wäre die Lerbermatt an der Reihe.

Und alle diese vier Gymnasien platzen bereits heute aus allen Nähten. Das Gymnasium Kirchenfeld hat man ursprünglich für 800 Schülerinnen und Schüler erstellt, heute hat man dort 1300 Leute. Das Neufeld wurde ebenfalls für 800 erstellt, da hat man heute sogar 1800 Leute. Und wenn Sie in den anderen Gymnasien schauen gehen, haben Sie eine ähnliche Situation. Dafür brauchen Sie nicht so gut zu sehen: Sie sehen vor Ort, dass zusätzliche Klassen nicht mehr hineinpassen.

Wir brauchen also mehr Platz, und vor allem schnell. Die Kritik, der Regierungsrat hätte früher reagieren sollen, haben wir gehört, und sie ist auch im Regierungsrat angekommen. Eine längerfristige Lösung für die Unterbringung der vielen neuen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wäre ein neues Gymnasium. Wichtig ist aber, Frauen und Männer, dass Sie die Standortsuche für ein neues, eigenständiges fünftes Gymnasium im Raum Bern nicht mit der heutigen Vorlage verwechseln.

Ich erlaube mir, zum Rückweisungsantrag von Grossrat Wandfluh und der BaK-Minderheit Stellung zu nehmen, es seien alternative, günstigere und verkehrstechnisch gut erschlossene Standorte ausserhalb von Bern, z. B. zwischen Thun und Burgdorf oder in der Region Seeland und Oberaargau, zu prüfen. Man hat sich umgeschaut und hat auch überall dort hingeschaut. Vielleicht haben wir es nicht gesehen, dann können Sie es uns noch sagen kommen.

Aber, geschätzte Damen und Herren, wir unterbreiten Ihnen hier eine Übergangslösung, ein Provisorium. Und das ist ganz wichtig, denn die Zeit ist knapp. Die Zeit ist knapp. In 17 Monaten müssen zusätzlich 23 Klassen untergebracht werden. Und wenn ich hier in den Saal schaue und weiss, dass mehrere Schulprojekte unterwegs waren und zum Teil auch bachab geschickt wurden, dann drückt dies. Der August 2024 ist nicht morgen, er ist übermorgen. Vor allem kann ich nicht dafür schauen, dass man diese Schülerinnen und Schüler auf der Strasse unterrichtet. Wir können sie nicht abweisen, und ich kann auch nicht Kommandozelte der Schweizer Armee organisieren.

Es ist in dieser kurzen Zeit schon fast nicht mehr möglich, den Businesspark umzubauen, obwohl wir eine vorteilhafte Ausgangslage haben. Und wenn man jetzt noch alternative Standorte ausserhalb von Bern für ein Provisorium erstens suchen, zweitens prüfen und drittens umbauen möchte, dann muss ich Ihnen sagen: Das reicht nicht. Und deshalb ist das kein einfacherer, billigerer Ausweg, sondern ganz einfach ein Holzweg. Wenn wir den Schulraum nicht rechtzeitig zur Verfügung stellen, dann können Sie sich vorstellen, was passiert, respektive: Kommen Sie zu mir und erklären Sie mir dann, was wir mit diesen Schülerinnen und Schülern machen sollen.

Ich bezweifle auch, dass irgendwo ein dezentraler Standort unter dem Strich viel günstiger käme. Die zentrale Lage des Businessparks bietet die Möglichkeit, dass dieser von allen vier Gymnasien im Raum Bern genutzt werden kann. Man kann die Verwaltungsbereiche relativ klein halten. Und die Idee, dass die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich an ihrer Stammschule bleiben und von dort aus an einzelnen Halbtagen zum Standort Liebefeld pendeln, ist bestechend. Ich habe in einem früheren Leben im Steinhölzli, der Aussenstation des Gymnasiums Lerbermatt, ebenfalls Schule gegeben, und es ist nicht nur schlecht herausgekommen mit diesen Schülerinnen und Schülern: Wir haben z. B. einen Finanzchef der Insel.

Das wäre bei einem weiter weg gelegenen Standort nicht möglich. Man könnte mit ihnen ja je nachdem sogar auf den Tessenberg, aber da müssen Sie dann Transportmöglichkeiten organisieren, es kämen zusätzliche Kosten für die Verwaltung, für die Schulleitung, für das Sekretariat usw. auf uns zu. Und dass wir irgendwo in der Region Bern ein Schulhaus finden, das leer steht bei dieser allgemeinen Schulraumknappheit, ist ganz klar eine Illusion. Und wenn man in Infrastruktur investiert, dann ist dies auch an anderen Orten nötig und kostet.

Es ist unbestritten: Es braucht ein weiteres Gymnasium – und dass dieses nicht direkt in der Stadt Bern liegen soll, eigentlich auch. Aber das ist klar ein anderes Projekt. Die BKD und die BVD haben dieses Projekt gestartet und arbeiten daran, und dafür nehme ich diesen Antrag sinngemäss sehr gerne entgegen.

Aber ich bitte Sie, heute diesen Minderheitsantrag abzulehnen und damit dem beantragten Standort zuzustimmen, denn der Businesspark ist ideal. Man kann zusätzliche Klassen unterbringen und in der zweiten Etappe bestehende Klassen der Gymnasien während der Sanierungen unterbringen. Der Standort ist von allen Berner Gymnasien mit dem ÖV oder dem Velo bestens erreichbar. Die Aula des Gymnasiums Lerbermatt und bestehende Sporthallen in der Umgebung kann man mitbenutzen. Es gibt ein Personalrestaurant im Gebäude. Und, fast am wichtigsten: Wir können das Ganze vor allem rechtzeitig auf das Schuljahr 2024 bereitstellen. Man kann mit dieser Lösung in den kommenden Jahren einen angemessenen Unterricht gewährleisten, bis wir einen definitiven Standort für ein zusätzliches Gymnasium haben. Und was auch wichtig ist zu sagen: In der Priorisierung ist das Ganze zuvorderst.

Gratis ist das Ganze nicht. Das ist der grosse Haken. Teuer ist vor allem der notwendige Mieterausbau, das schleckt die berühmte Geiss auch hier nicht weg. Aber wenn man Alternativen anschaut, und das haben wir gemacht, ist es entsprechend günstiger.

Ich erlaube mir noch einige Worte zum Abänderungsantrag der BaK, auch wenn der Antrag nicht direkt an mich als Baudirektor geht. Aber den Abänderungsantrag Müller, geschätzte Frauen und Männer, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin, wie schon angesprochen, auch nicht glücklich, dass man die Notwendigkeit von zusätzlichen Arbeitsflächen in diesem Ausmass nicht früher angemeldet hat, nicht gezeigt hat. Denn dies bedeutet für die Leute im Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) Stress: In kurzer, in kürzester Zeit muss man eine gute, wirtschaftliche Lösung finden. Und diese Herausforderung haben sie unter diesen Rahmenbedingungen gut gemeistert.

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, dass die kantonale Schulraumplanung längerfristig und rollend ausgestaltet werden muss. Und deshalb können die notwendigen Mittel dann auch rechtzeitig in die Investitionsrechnung (IR) hineingenommen werden. Und vor allem haben Sie dann auch entsprechend Zeit für die Beratung von Baugeschäften für Schulraum.

Die BKD – das hat man mir zugesagt – wird die Schulraumplanung professionalisieren. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) wird zeitnah und in enger Zusammenarbeit mit den involvierten Fachämtern für alle Mittelschulen, Berufsschulen und gewisse Hochschulen eine langfristige Bedarfsanalyse machen, und dies eben dann gestützt auf eine solide Datengrundlage. Damit kann man den künftigen Schulraumbedarf rechtzeitig erfassen und vor allem dann die entsprechende Planung der Infrastruktur aufgleisen.

Einzig bei der Investitionsplanung muss ich warnen: Haben Sie keine unrealistischen Erwartungen. Wir werden nicht verschiedene Szenarien vollständig als eigene Projekte abbilden können. Man kann nicht, wenn wir etwas machen wollen, fünf, sechs, sieben Wahlmöglichkeiten parallel organisieren und planen. Wir sind in zu engen Hosen mit den Investitionsmitteln. Aber wir werden in den Kostenschätzungen Szenarien berücksichtigen können, bei denen wir uns eben auf verbesserte Planungsgrundlagen abstützen können.

Wir sind selbstverständlich bereit, diesen Abänderungsantrag der BaK im ausgeführten Sinn anzunehmen. Unabhängig davon müssen wir mit dem Businesspark Liebefeld jetzt einfach pragmatisch und kurzfristig auf die aktuelle Situation, auf das Schuljahr August 2024, reagieren. Deshalb: Danke, dass Sie dem Verpflichtungskredit zustimmen.

Wortprotokoll
tagblatt.gr.be.ch
Institution
Grosser Rat

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