Michael Ritter · GLP
Ich begründe die Haltung der Fraktion wie folgt. Erstens: Wir sind gegenüber kantonalen Gedenktagen sehr kritisch. Wir könnten uns solche kantonalen Gedenktage im Grunde nur bei Themen vorstellen, bei denen der Kanton Bern eindeutig stärker betroffen war als andere Kantone. Das ist vorliegend betreffend, Zitat aus der Motion, «Opfer aller totalitären und autoritären Regimes», offensichtlich und zum Glück ja nicht der Fall. Es ist für uns nicht plausibel, gerade zu einem nicht spezifisch kantonalbernischen Thema den ersten kantonalen Gedenktag einzuführen.
Zweitens: Wir teilen die Haltung des Regierungsrates, dass ein solcher rein kantonaler Gedenktag in der Flut der bestehenden Gedenktage hoffnungslos untergehen würde.
Drittens: Die Forderung in Punkt 3 ist nicht direkt an den Gedenktag geknüpft. Trotzdem lehnen wir sie, und damit den ganzen Vorstoss, ab, weil eine derart allgemeine Aufgabe entweder sehr teuer wäre oder sehr wirkungslos. Ganz allgemein kann man sagen, dass die Motion in Punkt 3 eine typische Aufgabe von Schulen umschreibt und nicht der allgemeinen Kantonsverwaltung.
Das Thema, aus der Motion zitiert, «die Ideologie, die Geschichte und das Erbe totalitärer und autoritärer Regimes im 20. und 21. Jahrhundert» ist ein zentrales Thema aller mir bekannten Lehrpläne auf allen Schulstufen. Die Motion bezieht sich aber weder nach Wortlaut noch nach Sachzusammenhang und auch nicht nach der Begründung auf Schulen.
Ich komme zum Schluss. Kantonale Gedenktage zu allgemeinen historischen Themen, und seien Sie noch so schlimm – das bezweifle ich sicher nicht im Geringsten; ... (Der Präsident bittet den Redner, zum Schluss zu kommen. / Le président demande à l’orateur de conclure.) ... der Totalitarismus war der Schwerpunkt meiner Lizenziatsarbeit, die lese ich Ihnen jetzt nicht vor –, sehe ich als Historiker nicht. Aus diesem Grund müssen wir hier die Motion ablehnen.