Nicola von Greyerz · SP
Ein paar Jahre später erhielt das Haus den ersten internationalen Preis, und einer der wichtigen Mitbegründer des Hauses hat ein paar Jahre später einen Ehrendoktortitel der Uni Bern erhalten.
Die Freude und die Euphorie über dieses Haus waren vor zehn Jahren zu Recht gross. Ein Haus wie das Haus der Religionen gibt es sonst nirgends. Das gibt es im Kanton Bern nicht. Das gibt es in der Schweiz nicht. Das gibt es in Europa nicht und das gibt es weltweit nicht. Das ist das absolut einzige Haus, in dem acht Religionen unter einem Dach vereint sind. Fünf haben dort einen Kultusraum, die anderen drei sind beim Verein mit dabei.
Es mag ja sein, dass es in den letzten Jahren ein bisschen ruhiger geworden ist um dieses Haus, aber das heisst nicht, dass dort nichts passiert wäre. Es heisst nur, dass hart gearbeitet worden ist. Es ist hart gearbeitet worden an dieser Utopie, welche das Haus trägt, nämlich ein friedliches Nebeneinander zu leben und den Dialog über die Grenzen der Religionen, der Sprachen und der Kulturen hinweg zu leben.
In den Regierungsrichtlinien des Regierungsrates ist ein Entwicklungsschwerpunkt, dass sich der Kanton für die religiöse Vielfalt der Bevölkerung und den wachsenden Anteil von Konfessionslosen einsetzt und dem auch Rechnung tragen will. Wenn man diesen Punkt unterstützen will, dann macht man sich am gescheitesten auf die Suche nach Institutionen, welche einen dort unterstützen können und das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen ist genauso eine Institution, die das macht.
Das Haus ist ein Ort der Bildung. Gegen 400 Führungen finden jedes Jahr statt. Das ist mehr als eine pro Tag, wenn das Haus offen ist. Es sind ganz viele Schulklassen, die in das Haus gehen und ganz viele Schülerinnen und Schüler, die das erste Mal mit anderen Religionen, mit anderen Kulturen in Kontakt kommen. Das Haus ist aber auch ein Haus der Bildung für ganz viele wichtige Berufsorganisationen. Verschiedene Polizeikorps gehen z.B. ins Haus der Religionen, um ihre Leute dort in interkulturellen Kompetenzen zu schulen und ihnen dort spezifisches Wissen zu vermitteln im Umgang, damit sie ihren Auftrag gut und richtig erfüllen können.
Das Haus übernimmt aber auch wichtige Integrationsaufgaben, und das kann auch total fein riechen. Ich kann Ihnen allen nur empfehlen: Gehen Sie mal dort hin, gehen Sie dort einmal mittagessen, dann merken Sie, dass Integration auch durch den Magen geht. Das lohnt sich wirklich, das ist wahnsinnig fein, das ist die beste ayurvedische vegane Küche, die Sie weitherum bekommen können. Das sage nicht nur ich, sondern es wird von ganz vielen Gastronomen wirklich auch so bezeugt.
Ich habe von verschiedensten Leuten gehört: «Wir wollen nicht die Religionen unterstützen». Mit diesem Vorstoss geht es eben genau darum, nicht die Religionen zu unterstützen, sondern den zweiten Teil dieser Institution, nämlich den Dialog der Kulturen. Es geht hier darum, die Arbeit des Hauses der Religionen zu unterstützen, die Dialogformate weiterentwickeln zu können und eben den Dialog der Kulturen und der Religionen dort weiterzubringen. Ich denke – das unterstützen wahrscheinlich viele –, dass dies in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.
Es tut sich viel in der religionspolitischen Lage und Situation heute. Der Vorstoss von Carlos Reinhard ist nur einer davon, und deshalb bitte ich Sie, dieses Postulat zu unterstützen. Es geht nämlich einfach nur darum, abzuklären, wie man das Haus unterstützen könnte. Mir ist klar, die rechtlichen Grundlagen sind nicht da, dass man das Haus einfach so unterstützen kann, aber helfen Sie doch mit, einmal abzuklären, wie man diesen wichtigen Leuchtturm für den Kanton Bern – und es ist wirklich ein wichtiger Leuchtturm für den Kanton Bern – unterstützen könnte, damit er auch in Zukunft finanziell gut dasteht und seine Aufgaben übernehmen kann. Merci vielmals.