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Marianne Schild · Grünliberale

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Grosser Rat (BE)08.12.2022
Marianne Schild, Bern (GLP), Einzelsprecherin. Die Sprecherin der SP, Kollegin Maurane Riesen, hat gesagt, dass wir schon häufig gewisse Pionierarbeiten in Kantonen gesehen haben, die sich nachher national weiterverbreitet haben und die heute Standard sind. Ich finde dies einen guten Input, und ich finde es auch wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass ein Kanton sehr wohl ein Versuchslabor sein kann und Pionierarbeit für das ganze Land machen kann. In diesem Fall haben wir etwas Zweifel, ob es Sinn macht und ob es dem Kanton nicht schaden würde.

Aber das ist nicht das Problem, das ich mit dieser Initiative habe. Ich finde, wir müssen aufpassen, dass wir nicht, sobald es um Eltern und um Familien geht, automatisch davon ausgehen, dass eine Idee auch sozial ist. Mich dünkt, das ist das, was hier ein bisschen passiert. Wir sprechen hier auf einer Meta-Ebene über das, worum es eigentlich geht. Wir haben nicht grundsätzlich eine Differenz beim Elternurlaub. Das wissen Sie, und es wurde auch gesagt: Die GLP begrüsst einen Elternurlaub, eine Elternzeit. Aber was wir uns genau darunter vorstellen – diesbezüglich gibt es Unterschiede.

Sie stellen sich vor, dass von den 24 zusätzlichen Woche nur 6 vom Mann bezogen werden müssen. Das ist uns viel zu wenig. Uns ist es wichtig und ein grosses Anliegen, dass die Elternzeit möglichst von beiden Elternteilen gleich bezogen wird. Dann haben Sie auch die Idee, dass man einen Teil des Elternurlaubs bis zum Kindergarten beziehen kann. Das erachten wir nicht als sinnvoll. Die Elternzeit ist in der Zeit zu beziehen, bevor wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird, sonst finanzieren wir Ferien, damit sich Eltern einen VW-Bus mieten können, damit nach Skandinavien fahren und dort ein bisschen fischen gehen können. Das können sie in ihrer Ferienzeit machen und sollen es selber finanzieren. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Der Zweck dieser Elternzeit ist für mich hauptsächlich, dass die Frau nicht auf die Idee kommt, dass sie aus irgendeinem gottgegebenen, vom Himmel gefallenen Grund besser dazu geeignet oder eher dazu berufen ist, mehr Zeit, mehr Betreuungszeit zu übernehmen als der Mann. Dies ist heute aber leider so. Ich äussere mich nicht abschätzig gegenüber der Betreuungsarbeit. Ich äussere mich abschätzig gegenüber dem Reflex, der heute bei Paaren da ist, und zwar vonseiten der Frau und vonseiten des Mannes. Wenn man nämlich eine Mutter fragt: «Was ist für dich das ideale Pensum?», dann sagt sie häufig – oder die Mehrheit sagt –: «Ja, etwas zwischen 50 und 60 Prozent, und mein Mann soll dann bitte 80 Prozent arbeiten.» Wenn man die Väter fragen würde, würden sie wahrscheinlich genau das Gleiche sagen. Wir haben heute ein Ideal wie vor 40 Jahren, und mein Wunsch ist, dass die Elternzeit diesem Ideal, dem veralteten Ideal entgegenwirkt.

Es ist auch wichtig, dass sich diese Elternzeit selbst finanziert. Sie muss sich also durch die Erhöhung der Erwerbstätigkeit, die man sicherstellen kann, selber finanzieren, denn sonst haben wir kein Finanzierungsmodell für diese Elternzeit. Das sind Details, bei denen wir heute, glaube ich, Differenzen haben. Wir werden nicht zustimmen, solange wir diese nicht ... (Der Präsident bittet die Rednerin, zum Schluss zu kommen. Dabei kommt es zu einem kurzen Unterbruch der Audioübertragung. / Le président demande à l’oratrice de conclure. Survient un blanc à ce moment-là dû à un bref défaut de transmission audio.) ... mit Ihnen. Merci.

Wortprotokoll
tagblatt.gr.be.ch
Institution
Grosser Rat

Daten: OpenParlData · CC BY 4.0