Zum Hauptinhalt springen

Romeo Arnold · GLP

de
Grosser Rat (BE)02.06.2026
Romeo Arnold, Oberhofen (GLP), Motionär. Ja, jetzt geht es um unsere kleinen Schwimmerchen, die Spermien, und denen geht es bekanntlich leider nicht so gut. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Spermienqualität in Nordamerika, in Australien, aber eben auch in Europa drastisch abnimmt. Die Rede ist dabei von einer Qualitätsreduktion von bis zu 50 Prozent.

Auch in der Schweiz gab es Untersuchungen, und diese zeigen sogar ein noch schlimmeres Bild. Man hat nämlich festgestellt, dass die Spermienkonzentration in der Schweiz europaweit zu den tiefsten Werten gehört. Sprich, bei jedem sechsten jungen Mann ist die Spermienqualität so tief, dass eine natürliche Empfängnis erschwert ist. So schreibt es auch der Regierungsrat in seiner Antwort. Und es geht noch weiter, denn gerade in unserem Kanton, zwischen Thun und Bern, gibt es zudem einen sogenannten Coldspot, wo die Spermienqualität besonders schlecht ist. Sprich, wir haben ein ernsthaftes Problem hier vor unserer eigenen Haustür.

Was die Ursachen dieses Problems sind, ist bis jetzt noch recht unklar. Es gibt verschiedenste Vermutungen: falsche Ernährung, Lebensstilfaktoren, hormonaktive oder industrielle Stoffe, Pestizide, per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), Mikroplastik und so weiter. Aber bis jetzt kann man noch nicht ganz klar sagen, ob es quasi nur eine Ursache gibt oder ob halt der gesamte Cocktail das Problem verursacht.

Um diesem offensichtlichen Gesundheitsproblem auf den Grund zu gehen, braucht es also weitere Untersuchungen, damit man nachher auch entsprechende geeignete und effektive Massnahmen treffen kann. Für diese Untersuchungen muss man auch nichts Neues erfinden, sondern man kann bestehende Erhebungsmethoden nutzen und ausweiten. Im Vorstoss wird auch verlangt, dass man die jungen Frauen nach Möglichkeit in eine Datenerhebung zu ihrer reproduktiven Gesundheit aufnimmt, denn die Spermien machen ja selbsterklärend nur die Hälfte der ganzen Fortpflanzung aus. Deshalb ist es sicher angezeigt, auch in diese Richtung Bestrebungen zu unternehmen, damit wir auch hier eine bessere Datengrundlage haben.

Es ist völlig klar, dass wir dieses Problem mit der sinkenden Spermienqualität gesamtschweizerisch angehen müssten, und nicht nur im Kanton Bern. Völlig klar. Das Problem ist aber, dass der Bund solche entscheidenden Studien aus finanziellen Gründen gestrichen hat. Die Konsequenz daraus ist, dass wir jetzt bei vielen Gesundheitsproblemen einfach im Blindflug unterwegs sind und keine Ahnung haben, wenn es dann wirklich knallt.

Deshalb liegt es jetzt halt an uns, aktiv zu werden, gerade weil wir hier in Bern, wie eingangs gesagt, von diesem Problem besonders betroffen sind. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) möchte selbst ja auch weitere Untersuchungen machen, auch diverse Forschungsinstitutionen. Und ja, sogar der Schweizer Bauernverband hat das auch schriftlich mitgeteilt. Diese alle sagen ganz klar, dass es weitere Untersuchungen braucht und dass eine Ursachenforschung Sinn ergibt.

Ich danke dem Regierungsrat, dass auch er die Problematik und den Handlungsbedarf anerkennt. Er will sich auf Bundesebene für diese Thematik einsetzen, und das ist richtig so. Ich habe einfach ein bisschen Respekt davor, wie das genau aussieht, denn ohne etwas unterstellen zu wollen: Einmal anzuklopfen und zu sagen «mach es bitte gleich», wird, glaube ich, leider nicht reichen. Deshalb möchte ich eigentlich an der Motion festhalten, damit auch wirklich der Handlungsbedarf für den Regierungsrat da ist.

Ich konnte im Vorfeld mit Verschiedenen ein Gespräch führen, und ich glaube, wir sind uns hier im Rat einig, dass wir dieser Problematik auf den Grund gehen möchten, und deshalb bin ich dankbar für Ihre Unterstützung. Ich höre jetzt den Voten gerne zu und mache mir dabei Gedanken, ob ich dann allenfalls doch noch in ein Postulat wandeln müsste. Ich komme dann gerne nach dem Regierungsrat noch einmal ans Rednerpult.

Wortprotokoll
tagblatt.gr.be.ch
Institution
Grosser Rat

Daten: OpenParlData · CC BY 4.0