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Tobias Sennhauser · Tier im Fokus

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Stadtrat (BE)26.02.2026Mitglied

Tobias Sennhauser (TIF) für die Einreichenden: Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich habe in den letzten Tagen ein bisschen den Frühling gespürt. Und ja, auch in der Natur hat sich das Leben ein bisschen zurückgemeldet. Das ist schön. Und genauso ist es auch in den Wäldern von Bern, die ja immerhin rund ein Drittel der Stadtfläche ausmachen, und für viele von uns ein wichtiger Rückzugsort sind – und auch für unsere Hunde. Die sind dort gerne unterwegs. Und genau hier setzt auch unser Vorstoss an, denn im Wald leben auch noch Wildtiere. Wir haben im Vorfeld mit verschiedenen Wald- und Wildtierexpert*innen gesprochen, und so ist dieses Postulat entstanden. Es umfasst drei Massnahmen, die auf den Schutz der Wildtiere abzielen.

Die erste Massnahme betrifft die sogenannte Brut- und Setzzeit. Das ist die Phase von ungefähr April bis Juli, die unglaublich wichtig ist für viele Wildtierarten, weil sie sich um den Nachwuchs kümmern. Das Problem ist, dass viele dieser Tierarten, die sich in diesem Zeitraum um den Nachwuchs kümmern, am Boden brüten. Dazu gehört etwa die Feldlerche, die Waldschnepfe, der Baumpieper oder auch das Rotkehlchen, die ihre Nester oft im Unterholz anlegen. Auch beim Reh werden die Jungtiere im hohen Gras oder im Unterholz abgelegt und verharren dort regungslos. Sie verlassen sich darauf, nicht entdeckt zu werden. Freilaufende Hunde jedoch können für diese Tiere ein Problem werden. Sie stöbern sie auf. Dadurch geraten Jungtiere und brütende Tiere unter erheblichen Stress – oder sogar Schlimmeres –, was die Populationen unter Druck bringen kann. Mit diesem Vorstoss bitten wir den Gemeinderat deshalb darum, eine Sensibilisierungskampagne zu lancieren, so dass wir während der Brut- und Setzzeit unsere Hunde freiwillig an die Leine nehmen. Manche Expert*innen, mit denen wir gesprochen haben, haben uns übrigens sogar eine Leinenpflicht empfohlen. Und tatsächlich hat zum Beispiel der Kanton Zürich eine solche saisonale Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit eingeführt. So weit gehen wir jedoch nicht. Wir bitten den Gemeinderat jedoch, sich mit dem Kanton Zürich auszutauschen und auch von seinen Erfahrungen zu profitieren.

Der zweite dieser drei Punkte bezieht sich auf Biketrails, von denen es offenbar mehrere gibt im Raum Bern, und zwar teilweise legale oder auch illegale. Jedenfalls haben uns die angesprochenen Expert*innen empfohlen, dies aufzunehmen, weil es offenbar zu einem Zielkonflikt kommt zwischen eben diesen Biker*innen und den Wildtieren. Auf der Grundlage unseres Vorstosses soll der Gemeinderat jetzt die aktuelle Situation bezüglich legaler und illegaler Biketrails in den Wäldern untersuchen und insbesondere auch die Auswirkungen auf die Wildtiere analysieren. Der Gemeinderat ist auch eingeladen, Massnahmen zu prüfen zur Aufklärung der Biker*innen, um deren Bewusstsein für die Bedürfnisse der Wildtiere zu stärken
Der dritte Punkt bezieht sich auf die Waldpädagogik. Da bitten wir den Gemeinderat, auch die Kinder zu sensibilisieren für die Interessen der Wildtiere. Es gibt ja in Bern bereits verschiedene waldpädagogische Angebote wie Waldkindergärten, Waldspielgruppen oder auch das sogenannte Grüne Klassenzimmer. Dort soll der Gemeinderat das Potenzial zur Sensibilisierung der Kinder prüfen.
Ausserdem soll der Gemeinderat bereits bestehende Bemühungen zum Schutz der Wildtiere, die es ja schon gibt, von der Stadt, von der Burgergemeinde oder auch vom Kanton miteinander verknüpfen.

Ich glaube, dieses Postulat adressiert ein ungelöstes Problem, das nicht irgendwo passiert, sondern direkt vor unserer Haustür, nämlich den Verlust an Biodiversität in unseren Wäldern. Wir haben uns bewusst für einen pragmatischen Weg entschieden, im Unterschied zu Zürich, wo es, wie gesagt, diese temporäre Leinenpflicht gibt. Wir hingegen fordern, wie gesagt, eine Sensibilisierungskampagne für alle Involvierten.

Zum Schluss möchte ich auch betonen, dass sich dieser Vorstoss weder gegen Hunde noch gegen Hundehaltende richtet. Wir sollten uns einfach als Gesellschaft so verhalten, dass möglichst niemand zu Schaden kommt, egal ob Mensch, Haustier oder auch Wildtier. In diesem Sinne freue ich mich, dass der Gemeinderat das Postulat unterstützt. Und ich hoffe, ihr tut das auch.

Wortprotokoll
bern.recapp.ch
Institution
Stadtrat

Daten: OpenParlData · CC BY 4.0