Tabea Bossard-Jenni · EVP

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Grosser Rat (BE)12.09.2023
Tabea Bossard-Jenni, Oberburg (EVP), Motionärin. Als Motionärin gebe ich hier im Voraus auch noch meine Interessenbindung bekannt, damit das nachher nicht jemand anderes für mich nachholt. Ich bin beruflich wie auch familiär mit einem Unternehmen, einem KMU, verbunden, das im Metallbaubereich tätig ist. Wir stellen grosse Wärmespeicher her, unter anderem für erneuerbare Energien. Die Motion ist mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen und darum bestreite ich hier die Abschreibung.

Worum geht es in dieser Motion? Sonnenenergie – das ist Photovoltaik (PV), das ist eine Technologie, womit man mit dem Licht Strom, elektrische Energie, erzeugt. Sonnenenergie ist aber genauso auch Solarthermie, das ist die Nutzung der Wärme der Sonne. In der Politik und in der Allgemeinheit wird aber unter Sonnenenergie häufig nur der Strom verstanden. Dabei vergisst man auch schnell einmal, dass die Haushalte, private Haushalte, etwa 80 Prozent ihres Energiekonsums in Form von thermischer Energie, also von Wärme, konsumieren.

Ja, die Wärme könnte man auch elektrisch erzeugen, das muss man aber nicht. Denn es ist nicht nur so, dass man das nicht muss, sondern es ist eigentlich auch nicht sinnvoll, den Umweg über den Strom zu machen. Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass jede einzelne Öl- und Gasheizung, die in diesem Kanton noch besteht, durch eine Wärmepumpe ersetzt würde, dann steigt unser Strombedarf im Winter um ein Vielfaches. Häufig wird einem dann folgende Rechnung vorgelegt: «Das ist ja kein Problem, dann machst du doch einfach zur Wärmepumpe noch eine Photovoltaikanlage dazu.» Beides hat ein bisschen einen tieferen Wirkungsgrad, aber in der Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe erreicht man nachher in ungefähr den Wirkungsgrad, welchen die Solarthermie ohne zusätzliche Maschinen hätte. Die Solarthermie hat also pro Quadratmeter den deutlichen höheren Wirkungsgrad und es wäre deshalb sinnvoller, sie mehr einzusetzen.

Der Regierungsrat kommt dann auch noch mit dem Argument, dass Solartermine nicht wirtschaftlich sei, und verweist auf die Subventionen, worauf man immer noch angewiesen ist. Wenn man Photovoltaik und Solarthermie vergleicht, dann muss man aufpassen, dass man nicht Äpfel und Birnen vergleicht. In der Betrachtungsweise, wenn man von einer Photovoltaikanlage ausgeht, nimmt man nämlich ganz selbstverständlich an, dass das Speicherproblem die Allgemeinheit löst. Wenn man im Sommer Überschuss hat – denn im Sommer betreiben Sie ja die Wärmepumpe nicht –, dann speist man die in das öffentliche Netz und das öffentliche Netz nimmt die Speicherfunktion wahr. Ein Hauseigentümer, der eine thermische Anlage installiert, installiert den Speicher bei sich lokal im Keller und bezahlt den auch selber. Also, entsprechend sind das zwei verschiedene Zahler, die hier zur Kasse gebeten werden, und entsprechend ist es ein bisschen einfach zu sagen, die Solarthermie sei teurer.

Die Solarthermie hilft, den Winterstrombedarf zu senken. Eine Solarthermieanlage hat eine Leistungsziffer von 100. Das bedeutet: Wenn man den ganzen Strom, den die Pumpen noch brauchen, und die Steuerung einrechnet, dann werden aus einem Teil Strom 100 Teile Wärme erzeugt. Das ist ausser Konkurrenz im Vergleich zu allen anderen Systemen, die thermische Wärme liefern. Wenn man die Wärme im eigenen Haus mittels Saisonspeicher speichern kann, kann man sie lokal speichern. Wenn man das nicht kann, weil man zu wenig Platz hat, dann wird die Solarthermie sehr häufig mit Holz ergänzt. Solarthermie zu fördern bedeutet also gleichzeitig auch Förderung der Nutzung von einheimischem Holz. Diese Kombination trägt dazu bei, dass der Winterstrombedarf wesentlich gesenkt wird.

Wer heute baut, egal, ob man ein Einfamilienhaus oder ein Mehrfamilienhaus baut, kann ein Gebäude zu 100 Prozent mit einheimischer Solarthermie und Holz heizen und trägt dazu bei, dass eben der Winterstrombedarf gesenkt werden kann. In Deutschland werden diese Konzepte serienweise umgesetzt, in der Schweiz gehören Saisonspeicher für thermische Energie noch zur Ausnahme. Woran liegt das? Die Solarthermie wird in der öffentlichen Diskussion nicht wahrgenommen. Darum habe ich meine Motion eingereicht, damit die Solarthermie einen höheren Stellenwert in der Energiestrategie bekommen soll, und es sollen Massnahmenfelder definiert werden. Es fehlen Ziele, wie viele Prozente bspw. der Gebäude einheimisch – eben mit solarthermischen Anlagen in Kombination mit Holz – beheizt werden sollen.

Die Arbeit ist noch lange nicht gemacht. Ich möchte mir noch erlauben zu erwähnen, dass der BVD-Direktor letzte Woche Solarthermie und Fernwärme mit Melkrobotern und Melkmaschinen verglichen hat. Dieser Vergleich hinkt sehr deutlich und das zeigt, dass hier noch viele Aufklärungsarbeiten zu machen sind. Wer sich also ernsthaft Sorgen um unsere Energieversorgung im Winter macht, der darf diese Motion auf keinen Fall abschreiben.

Vielen Dank an all jene, welche diese Forderung ernsthaft unterstützen und die Abschreibung bestreiten.

Wortprotokoll
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Institution
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