Reto Müller · SP

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Grosser Rat (BE)02.09.2025
Reto Müller, Langenthal (SP), Fraktionssprecher. Kinder und Jugendliche, die sind auf den ÖV angewiesen – in den Städten, aber besonders auch in den ländlichen Regionen. Für sie bedeutet Mobilität Selbstständigkeit, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Zugang zu Freizeitangeboten und Bildung. Aus unserer Sicht darf Mobilität nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen.

Es wurde schon gesagt: Andere Kantone gehen mit gutem Beispiel voran. In Genf fahren seit diesem Jahr alle unter 25 gratis, in der Waadt und in Neuenburg gibt es deutliche Vergünstigungen. Diese Modelle entlasten die Familien spürbar, fördern die Chancengerechtigkeit und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, weil junge Menschen schon früh lernen, dass die Nutzung des ÖV selbstverständlich ist. Zudem: Viele kleine Gemeinden bei uns auf dem Land erreichen die Auslastung für ihre Angebote oder für neue Angebote nicht, insbesondere in unserer Region im Oberaargau, der am schlechtesten mit ÖV erschlossenen Region des Kantons Bern, ist das der Fall. Und deshalb wäre es insbesondere auch für Landgemeinden eine Chance.

Und Casimir von Arx hat es vorhin gerade vorgerechnet: Es funktioniert. Aber diesen Kosten steht eben auch ein grosser Nutzen gegenüber. Ein Pilotprojekt, wie es die Motion verlangt, ist ein sinnvoller und pragmatischer Schritt. Wir reden nicht von einer sofortigen flächendeckenden Einführung im ganzen Kanton, sondern von einem Test in ausgewählten Gemeinden oder Regionen, wissenschaftlich begleitet, damit wir wissen, welche Effekte eintreten und welche Herausforderungen bestehen.

Der Regierungsrat verweist darauf, dass die Gemeinden schon heute selbst Vergünstigungen anbieten könnten. Das stimmt, aber es führt halt zu einem Flickenteppich, in dem eben der Wohnort nachher entscheidet, ob jetzt Kinder günstig oder teuer unterwegs sind. Und meistens, auch hier muss man ehrlich sein, haben die Gemeinden aus touristischen Gründen ein Gratisangebot, z. B. den Ski-Ortsbus, und dieser wird nachher über die Tourismusabgabe und Ski-Abonnemente mitfinanziert. Und genau da setzt die Motion an: Sie will systematisch vergleichen und Erkenntnisse gewinnen, die allen Gemeinden im Kanton Bern dienen würden und nicht nur denjenigen, die aus anderen Gründen ein Projekt lanciert haben.

Zudem geht es für uns hier nicht um einen Konkurrenzkampf zwischen Velo und ÖV. Im Gegenteil, der Modalsplit zeigt, dass gerade junge Menschen oft beide Verkehrsmittel brauchen. Wer das Velo nutzt, kombiniert es sehr häufig mit dem öffentlichen Verkehr. Gratis oder vergünstigter ÖV-Abos stärken die nachhaltige Mobilität insgesamt und verdrängen nicht das Velo, sondern das Auto.

Und noch etwas: Natürlich kostet Mobilität Geld. Aber bei der Frage, welche Investitionen wir tätigen wollen, sind kostenlose oder stark vergünstigte ÖV-Abos für Kinder und Jugendliche für uns eine Investition in die Zukunft, in eine klimafreundliche Mobilität, in die Gleichstellung und in die Lebensqualität von jungen Menschen und ihren Familien. Wir bitten Sie, dieser Motion zuzustimmen. Danke vielmals.

Wortprotokoll
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Institution
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