Manuela Kocher Hirt · SP
Als Erstes möchte ich für den Bericht danken. Wir haben gehört, dass es ein bisschen lange dauerte, nachdem Peter Gerber diese Motion eingereicht hatte, bis er jetzt vorliegt. Aber nichtsdestotrotz: Wir haben ihn, und wir können darüber debattieren, wie wir jetzt weiterfahren wollen.
In diesem Bericht sind vor allem zwei Punkte besonders analysiert worden, nämlich das Beispiel der MediZentren, wie es dort eben gelingt, junge Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegeexpertinnen, Pflegeexperten, APN und weiteres Fachpersonal zu rekrutieren und einzusetzen, und auch zu analysieren und zu bewerten, wieso das Versorgungsmodell in den MediZentren und diese Zusammenarbeit zwischen Ärzten und APN so gut funktioniert. Insbesondere sollte man auf die Rolle der APN als wichtiger Baustein eingehen, und man hat auch gewünscht, dass man das im Rahmen der Grundlagenforschung am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (Institute of Social and Preventive Medicine – ISPM) oder an der Universität Basel hätte untersuchen lassen.
Der Bericht stellt eine Übersicht zur aktuellen Situation im Bereich APN im Kanton Bern und schweizweit dar. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit werden seit Jahren verschiedene Projekte zum Einsatz von APN durchgeführt, so z. B. im Rahmen der Projekte «Prima – APN in der Grundversorgung» und «Passion – Patientenversorgung in Hausarztpraxen mit neuen Berufsrollen» der Berner Fachhochschule (Departement Gesundheit der BFH). Sie haben eine Stellenbeschreibung «Nurse Practitioner» für Hausarztpraxen im Kanton Bern erarbeitet.
Ja, aber was ist denn eigentlich so eine APN? Und was macht denn so eine APN? Eine APN ist eine Advanced Practice Nurse mit klinischen Fähigkeiten im Bereich der Pflege und der Medizin. Integriert ist beides im Studium. Sie macht das, um Patienten und Patientinnen in der Primärversorgung und auch in der Akutversorgung zu beurteilen, Diagnosen zu stellen und zu betreuen sowie auch chronisch kranke Menschen kontinuierlich zu versorgen.
Es ist also eine Person, die eine Grundausbildung hat, eine generalistische oder spezialisierte, und eine zusätzliche Ausbildung. Sie kann Patientensituationen, komplexe Patientensituationen erfassen, Entscheidungen fällen und die richtigen klinischen Schlüsse daraus ziehen. Die Einsatzgebiete einer APN sind z. B. die Konsultation in der Hausarztpraxis, Hausbesuche durchführen oder Visiten in Alters- und Pflegeheimen.
Der Bericht schafft ein einheitliches Verständnis dafür, dass die APN wichtig sind und eine gute Möglichkeit sind, in den verschiedenen Gesundheitssettings neue Aufgaben zu übernehmen, durch koordinierte Tätigkeit die Qualität der Behandlung zu fördern und somit auch Aufgaben der Hausärzte und Hausärztinnen ergänzend zu übernehmen. Die APN sind also eine wichtige Ergänzung in unserem Gesundheitssystem.
Obwohl der Einsatz und die Wirksamkeit sowie die Entlastung vor allem der hausärztlichen Grundversorgung signifikant sind, kann diese Form der integrierten Versorgung noch nicht flächendeckend umgesetzt werden. Dies aufgrund zweier zwar anerkannter, aber noch nicht behobener Probleme. Die Zulassung der APN ist noch nicht geregelt, und die Abrechnung der Leistungen ist nur teilweise möglich, weil ein Tarif für die erbrachten Leistungen fehlt. Ohne die Regelung dieser beiden Punkte kann das Modell seine volle Wirkung nicht erzielen.
Der Kanton beschreibt im Bericht, welche Schritte nötig sind, damit die Situation der APN und ihre Rolle in der Gesundheitsversorgung geklärt werden können. Er betont auch, welche Entlastung dadurch in der Grundversorgung erreicht werden kann. Er begründet auch, dass die Ausbildungskapazitäten im Bereich der Hausarztmedizin den zukünftigen Bedarf nicht decken können und es deshalb ganz wichtig ist, andere Versorgungsmodelle wie dieses hier zu implementieren.
Die SP-JUSO-Fraktion ist mit dem Bericht in der vorliegenden Form zu grossen Teilen einverstanden. Gerne hätten wir im Bericht die geforderte Analyse, die ja mit Ziff. 2 überwiesen wurde, vorgefunden, denn die Grundlagen dazu wären vorhanden. Ebenfalls vermissen wir die Ausführungen dazu, wie der Kanton Einfluss nimmt auf die Aus- und Weiterbildung und wie er das Modell APN im Kanton unter den bestehenden Möglichkeiten fördern und eine verbreitete Anwendung unterstützen möchte. Wir empfehlen, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen, und zu den Planungserklärungen spreche ich dann noch einmal.