Zum Hauptinhalt springen

Verhaltensauffällige Kinder in der Primarschule

(KA 11839)Kleine Anfragen
Liechtenstein21.10.2009
Profil
Typ
Kleine Anfragen
Parlament
Liechtenstein
Nummer
KA 11839
Beginn
21.10.2009
Referenzen & Quelle
Amtliche Quelle
Offizielles Profil
Externe ID
11839
Beiträge(2)
Verlauf(2)
  • Beantwortet
  • Eingereicht
Texte(2)
  • Antwort vom 23. Oktober 2009HTML
    23. Oktober 2009

    Zu Frage 1:

    Gute Unterstützungsstrukturen für die Schule bzw. die Lehrpersonen waren und sind der Regierung ein Anliegen, auch als Reaktion auf schwierige Situationen an der Schule und im Unterricht.

    Sind stark verhaltensauffällige Schülerinnen oder Schüler in einer Klasse, so kann die Primarlehrperson die Hilfe des Schulpsychologischen Dienstes (SPD) in Anspruch nehmen. Der SPD ist bei Verhaltensauffälligkeit zuständig für die Primarschulen. Im Oktober 2008 konnte der SPD um eine Stelle auf insgesamt drei Stellen aufgestockt werden. Auch das Amt für Soziale Dienste stellt seine Dienste zur Verfügung und zwar insbesondere dann, wenn die Verhaltensauffälligkeit hauptsächlich familiären Ursprungs ist. Kinder können auch in der Jugendwohngruppe in Vaduz untergebracht werden oder in der Carina in Feldkirch (Sonderschulung).

    Im Schulalltag sind zudem die heilpädagogisch ausgebildeten Ergänzungslehrpersonen eine Hilfe für die Klassenlehrpersonen. Sie können z.B. ein Kind vorübergehend aus der Klasse nehmen und betreuen, bis sich die Situation beruhigt hat oder geklärt ist.

    Weitere Massnahmen, welche der Lehrperson bei abweichendem Schülerverhalten zur Verfügung stehen, sind explizit gesetzlich geregelt. So sieht die Schulorganisationsverordnung in Artikel 24 diverse Massnahmen vor, vom Verweis über das Nachsitzen, die Versetzung bis hin zum teilweisen Ausschluss vom Unterricht oder gar zum Schulausschluss. Diese Massnahmen gelten nicht nur für Sekundar- sondern auch für Primarschülerinnen und -schüler.

    Den Lehrpersonen steht zudem ein permanentes Angebot an Beratung durch die Pädagogische Hochschule in Zürich, mit der das Schulamt einen Dienstleistungsvertrag abgeschlossen hat, zur Verfügung. Weiterbildungs- oder Coaching-Möglichkeiten werden den Lehrpersonen ergänzend angeboten.

    Zu Frage 2:

    Ob nun die Fälle verhaltensauffälliger Kinder an den Primarschulen zugenommen haben oder nicht, wurde in Liechtenstein empirisch nicht erhoben. Persönliche Erfahrungen von Lehrpersonen lassen darauf schliessen. Mit den beschriebenen Unterstützungsangeboten für die Lehrpersonen sind unterschiedlichste Interventionen möglich. Weitere Massnahmen müssen im Einzelfall geprüft werden.

    Zu Frage 3:

    Solche Möglichkeiten wurden diskutiert. Allerdings scheint es verfrüht zu sein, vor dem Vorliegen der Evaluationsergebnisse des laufenden Projektes der Time-out Schule in Gamprin sich vertieft mit der Umsetzung einer solchen Massnahme zu beschäftigen. Auch haben die Primarschülerinnen und -schüler eine etwas andere Ausgangslage als die Sekundarschüler. Man muss sich auch generell die Frage stellen, ob die separierende Massnahme einer Time-out Schule eine für das Alter der Primarschülerinnen und -schüler adäquate Lösung darstellen würde. In diesem Zusammenhang müsste auch überlegt werden, ob die Schulsozialarbeit mittelfristig auf die Primarschulen ausgeweitet werden könnte.

  • Frage vom 21. Oktober 2009HTML
    21. Oktober 2009

    Es ist sicher keine Neuigkeit, wenn ich feststelle, dass es auch in unserem Land immer mehr verhaltensauffällige Jugendliche gibt, die sich schwer in unsere Gesellschaft integrieren lassen. So hört und liest man zunehmend davon, dass öffentliches und privates Eigentum beschädigt wird, oder ältere und schwächere Mitmenschen belästigt werden. Es stellt sich die Frage, ob es nicht nur noch eine Frage der Zeit ist, dass wir Fälle wie in Deutschland miterleben müssen. Neben diesen in der Öffentlichkeit mehr oder weniger wahrnehmbaren Tatsachen kommt dazu, dass verhaltensauffällige Jugendliche den Unterricht stören und sich negativ auf den Lernfortschritt und das Niveau der Mitschüler auswirken. Eine Folge davon war, dass auf der Ebene der weiterführenden Schulen die Time-Out-Schule geschaffen wurde. Neuerdings hört man vermehrt von sehr schwierigen, verhaltensauffälligen Schülern schon auf der Primarschulstufe. Ein verhaltensauffälliges Kind in einer Klasse benötigt einen enormen Energie- und Zeitaufwand von der betreffenden Lehrperson und dieser Einsatz fehlt in der Folge wieder im Unterricht den Mitschülern. In solchen Klassen leiden somit neben dem betroffenen Kind auch die Mitschüler sowie die Lehrpersonen. In diesen ersten Schuljahren werden die Weichen für die Zukunft der Kinder gestellt und so fordern der Umgang und die Integration solcher betroffener Kinder eine gewaltige Leistung der Lehrpersonen. Da heute immer mehr auch noch zusätzlich die Erziehung der Kinder den Lehrern zufällt, ist es nicht verwunderlich, dass bei solchen Belastungen immer mehr Primarlehrer mit gesundheitlichen Problemen und Burn-Out-Syndromen zu kämpfen haben. Es stellt sich für mich die Frage, ob nicht durch eine Art Time-Out Schule schon auf der Primarschulstufe die betroffenen Kinder durch speziell ausgebildete Lehrkräfte individuell betreut werden könnten, und dadurch die Eltern, die Lehrer und die Mitschüler entlastet werden. Meine Frage:

    1. Wie werden heute die Lehrpersonen der Primarschulen im Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern unterstützt?
    2. Gibt es Überlegungen von Seiten der Regierung, wie sich die häufenden Fälle in Zukunft betreut werden?
    3. Wäre die Einrichtung einer Art Time-Out Schule auf Primarschulebene für das Oberland und das Unterland eine Möglichkeit für die Lösung der anstehenden Problematik?

Daten: OpenParlData · CC BY 4.0